Konsum von Ecstasy und Kokain steigt

Beunruhigende Erkenntnisse im Abwasser

Freitag, 04. April 2025 | 09:46 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Konsum von Ecstasy (MDMA), Kokain und Amphetaminen nimmt in Bozen spürbar zu. Das geht aus einer europaweiten Abwasserstudie hervor, an der sich auch Südtirol beteiligt hat. Während der Konsum von Cannabis leicht rückläufig ist, bleibt diese Substanz laut Fachleuten nach wie vor die am häufigsten konsumierte Droge unter Jugendlichen. Das Risiko werde dabei unterschätzt.

Durchgeführt wurde die Untersuchung vom europäischen Forschungsnetzwerk SCORE, das im Frühjahr 2024 in den Kläranlagen Bozens und anderer europäischer Städte Abwasserproben gesammelt und analysiert hat. Ziel war es, Rückstände von sechs psychoaktiven Substanzen nachzuweisen: Amphetamin, Kokain, Methamphetamin, MDMA/Ecstasy, Ketamin und Cannabis. In Bozen wurden sämtliche dieser Stoffe festgestellt. Dabei gab es deutliche Spitzenwerte beim MDMA-Konsum (Ecstasy).

Bettina Meraner, Primaria des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen (SerD) der Südtiroler Sanitätsbetriebes, zeigt sich insbesondere über die Ergebnisse zur Kokainnutzung besorgt: „Vier von fünf Erstanfragen beim SerD betreffen heute Kokain. Das ist ein deutlicher Wandel. Früher kamen hauptsächlich Heroinkonsumenten oder HIV-Patienten zu uns”, wird sie von Alto Adige online zitiert.

Der Konsum von MDMA sei zwar nicht körperlich abhängig machend, könne jedoch schwerwiegende akute Folgen haben, so Meraner: „Zu den Risiken zählen Kreislaufkollaps und Herzprobleme, besonders wenn zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird. Ecstasy wird meist auf Partys konsumiert, häufig in Kombination mit anderen Substanzen, um Musik intensiver zu erleben.“

Besonders alarmierend sei laut Meraner aber auch, wie sehr Cannabis verharmlost werde. „Nur wenige entwickeln ernste Probleme damit – aber wenn sie auftreten, sind sie oft chronisch. Vor allem bei jungen Menschen kann regelmäßiger Konsum zu Antriebslosigkeit führen, mit teils drastischen Folgen für Ausbildung und Lebenslauf.“

Was die Art der Einnahme betrifft, dominiert bei Kokain weiterhin das sogenannte Sniffen. Es erzeugt ein kurzzeitiges Hochgefühl und gesteigertes Selbstvertrauen, nicht selten gefolgt von Aggressivität, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. „Viele geraten durch den teuren Konsum in finanzielle Not und begehen Delikte, etwa im Drogenhandel“, warnt Meraner.

Die forensische Medizin Innsbruck bestätigt den Trend: Der Kokainkonsum in Südtirol liegt im Vergleich mit Ostösterreich auf ähnlich hohem Niveau. Die Abwasseranalyse sei zwar anonym, biete jedoch ein realistisches Bild der Drogenbelastung – und dieses zeige derzeit klar nach oben.

Bezirk: Bozen

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