Virologe: Mit Tests, Distanzierung und Quarantäne Ansteckungen verhindern – VIDEO

„Das Virus kann sich auf Flüchtlingsbooten stark verbreiten“

Mittwoch, 15. Juli 2020 | 08:07 Uhr

Von: ka

Mailand – Neben den heimischen Corona-Hotspots sorgt die Tatsache, dass Dutzende von Flüchtlingen, die die kalabrische Küste erreicht hatten, Corona-positiv waren, in Italien für große Unruhe.

Der angesehene Virologe und Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten des Krankenhauses „Sacco“ von Mailand, Professor Massimo Galli, zeigt Möglichkeiten auf, wie eine Ausbreitung des Virus auf den Flüchtlingsbooten und in den Aufnahmezentren verhindert werden kann. Massimo Galli rät zu Tests, zu sozialer Distanzierung und zu einer schnellen Trennung von positiv getesteten Flüchtlingen vom Rest der Migranten.

In Italien sorgt nicht nur eine Vielzahl von kleinen Corona-Herden, die zur Verhinderung eines Anstiegs der Neuansteckungen schnellstens eingedämmt werden müssen, sondern auch die „Einfuhr“ des Virus aus dem Ausland für Stirnrunzeln.

Der Fall von Roccella Jonica, wo Dutzende von Flüchtlingen, die die kalabrische Küste erreicht hatten, Corona-positiv waren, ist ein Sinnbild dieses Problems, das auch von namhaften Virologen wie dem Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten des Krankenhauses „Sacco“ von Mailand, Massimo Galli, als solches erkannt wird. „Das Virus kann sich auf den Flüchtlingsbooten stark verbreiten. Es braucht eine neue Organisation“, so Massimo Galli.

„Die Menschen an Bord zu behalten, ist ein schwerer Fehler. Der einzige Weg, eine Verbreitung des Virus zu verhindern, ist, die Migranten Corona-Tests zu unterziehen und sie so schnell wie möglich von Bord zu holen“, unterstreicht Massimo Galli. Bei aller Verschiedenheit der Schiffe und Boote habe laut dem anerkannten Virologen der Fall des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess gezeigt, dass die beste Art und Weise, die Verbreitung des Virus zu begünstigen, ist, die Leute an Bord zu behalten. „Diese Entscheidung hat auf dem Kreuzfahrtschiff mehr als 700 Infizierte verursacht“, erinnert Massimo Galli.

ANSA/WEB/MEDITERRANEE.ORG

„Gegenüber den Menschenansammlungen auf den Schiffen ist es an Land sicherlich einfacher, sofort eine soziale Distanzierung zu organisieren und die Tests auf geordnete Art und Weise durchzuführen. Es ist jedoch notwendig, dass die positiv getesteten Menschen von denen, die negativ sind, getrennt werden, wobei aber auch Letztere unter Quarantäne gestellt werden müssen. Die Migranten in Erwartung des ersten Tests auf dem Schiff zu behalten, kann eine mögliche Option sein. Meiner Ansicht ist es aber die bessere Wahl, die Flüchtlinge an Land gehen zu lassen und ihnen für die Wartezeit eine geeignete Unterkunft, die eine soziale Distanzierung sicherstellt, zur Verfügung zu stellen“, so die Meinung von Massimo Galli.

Was die positiv getesteten, aber nicht mehr auffindbaren Migranten anbelangt, meint Massimo Galli, dass das Problem zwar existiere, aber in Hinblick auf die Verbreitung des Virus in Italien keine große Bedeutung spiele. Laut dem Virologen sei die Entscheidung der römischen Regierung, den Notstand zu verlängern, aber richtig, da auch dies dabei helfe, auch in dieser Hinsicht schneller Maßnahmen zu ergreifen.

Mehr Sorgen als die Flüchtlinge, die mit Booten Italiens Küsten erreichen, bereiten dem anerkannten Virologen jene Ausländer, die nach Italien auf eine andere Art und Weise einreisen. Diese seien laut Massimo Galli viel schwieriger zu verfolgen. „Die Länder mit der höchsten Anzahl von Neuansteckungen sind heute neben Indien und Bangladesch sicherlich auch die Vereinigten Staaten und Brasilien. Anerkannt die Tatsache, dass in Italien die Neuansteckungen nie ganz verschwunden sind, ist das Risiko, dass Personen, die aus diesen Ländern einreisen, die Ansteckungsgefahr zurückbringen, wirklich groß“, warnt Massimo Galli.

Ob es den italienischen Gesundheitsbehörden gelingen wird, an gleich mehreren Fronten erfolgreich zu agieren, steht in den Sternen, aber Experten wie Professor Galli zeigen Wege auf, wie die Neuansteckungen – woher auch immer sie kommen mögen – eingedämmt werden können. Aber neben dem Rat von Experten und Behörden, die die geeigneten Maßnahmen durchführen, wird Italien auch viel Glück benötigen.