Nigerianischer Flüchtling darf bleiben

Ein Mann, ein Besen, eine Hoffnung

Donnerstag, 27. März 2025 | 08:20 Uhr

Von: luk

Padua – Jeden Tag verlässt Happy Ijebor sein Zuhause mit einem Besen in der Hand. Seit acht Jahren fegt er die Straßen und Gehwege Paduas, reinigt Parks und Plätze – freiwillig, ohne Bezahlung. Nun hat ihm diese Hingabe für die Allgemeinheit einen Lichtblick gebracht: Der 28-jährige Nigerianer darf bleiben. Ein Richter erkannte seinen Einsatz an und gewährte ihm eine Aufenthaltsgenehmigung für fünf Jahre.

Ijebor, der 2017 aus Nigeria floh, lebt in Padua und ist dort vielen Menschen bekannt. Er spricht nur Englisch, ist zurückhaltend und kämpft seit Jahren um seinen Platz in Italien und der Gesellschaft. Seine Flucht begründete er mit religiöser Verfolgung, doch seine Asylanträge wurden bereits zweimal abgelehnt. Zuletzt bescheinigte ihm die zuständige Kommission eine „offensichtlich unbegründete“ Anfrage und ordnete seine Ausreise an, berichtet der Corriere della Sera.

Dann kam ihm der Zufall zu Hilfe: Die Juristin Aleksandra Stukova traf auf seinen Fall, ihr Team legte Einspruch ein. Vor dem Gericht in Venedig stach ein Detail ins Auge – Fotos, die Ijebor bei seiner Arbeit zeigen. Tag für Tag sorgt er in den Vierteln Forcellini, Sacra Famiglia, Madonna Pellegrina und weiteren Straßenzügen für Sauberkeit. Richter Vincenzo Ciliberti erkannte das Engagement an und setzte das Abschiebeverfahren aus.

Fünf Jahre Zeit, um Wurzeln zu schlagen

„Die Kommission hielt sich nicht an die vorgeschriebenen Fristen“, erklärt Anwältin Caterina Bozzoli. Nun ist der Fall bis 2030 ausgesetzt. So lange darf Ijebor bleiben, um Wurzeln zu schlagen. „Das ist eine echte Chance“, freut sich Stukova. „Wir wollen ihm helfen, eine Arbeit zu finden, Italienisch zu lernen und seinen Schulabschluss nachzuholen.“

Bislang lebt der junge Mann von der Großzügigkeit der Bürger, die ihm für seine Dienste gelegentlich Kleingeld zustecken. Er hat kein festes Einkommen, teilt sich eine Wohnung mit Landsleuten, die ihn unterstützen. Seine Schüchternheit und fehlende Sprachkenntnisse machten die Jobsuche schwer. Doch nun hat er Zeit und eine Chance, um sich wirklich in Italien ein neues Leben aufzubauen.

ANSA/ Caterina Bozzoli

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