Kellereigenossenschaft Opfer der lokalen Mafia? - VIDEO

Feiger Sabotageakt: Rohrstutzen aufgebrochen und 25.000 Hektoliter Most ausgelassen

Mittwoch, 23. Oktober 2019 | 08:49 Uhr

Von: ka

San Severo – In Südtirol wie auch in anderen Weinbaugebieten freuen sich die Weinbauern auf die – fast abgeschlossene – Traubenlese, das Einkellern des ersten Mostes und – in den nächsten Wochen – auf den Genuss des ersten „Nuien“. Nicht so in San Severo – einer Kleinstadt in der süditalienischen Region Apulien. Am Montagmorgen erlebte die Kellereigenossenschaft „Antica Cantina – Cantina Sociale Cooperativa di San Severo“ eine böse Überraschung. Am Sonntagabend waren mehrere maskierte Unbekannte in die Kellerei eingedrungen und hatten die Rohrstutzen von 16 von insgesamt 19 Silotanks aufgebrochen.

Facebook/Coldiretti Puglia

In der Folge liefen nicht weniger als 25.000 Hektoliter Most und frischgegorener Wein aus den Tanks aus und überfluteten die umliegenden Straßen und Felder. Drei der geöffneten Silotanks verloren dabei ihren gesamten Inhalt. Damit machten die unbekannten Saboteure fast die gesamte Jahresarbeit der rund 400 bäuerlichen Mitglieder der Kellereigenossenschaft zunichte. Ersten Schätzungen zufolge soll sich der Schaden auf rund eineinhalb Millionen Euro belaufen.

Am Tag nach dem feigen Sabotageakt herrschte in San Severo großes Rätselraten. Angesichts der Vorgangsweise der Kriminellen, die für ihre Tat eigens die Verbindungskabel zu den Stromkästen gekappt und die hohe Umzäunung überwunden hatten, waren die ersten Gedanken der Opfer und der Ermittler, dass es sich beim massiven Sabotageakt um einen Einschüchterungs- oder einen Erpressungsversuch handeln könnte. Laut der Gemeindeverwaltung von San Severo war aber die „Antica Cantina“ in der Vergangenheit nie Opfer von Schutzgelderpressungen geworden.

ANSA/Coldiretti Puglia

Vollkommen anderer Meinung ist der regionale Verband der italienischen Landwirtevereinigung Coldiretti. „Die Lage wird unterschätzt. Sabotageakte, wie das Abschneiden von Bäumen und Traubenstöcken sowie das Beschädigen von Wasserleitungen und Halteanlagen sind an der Tagesordnung. Um landwirtschaftliche Fahrzeuge zu stehlen, werden sogar regelrechte bewaffnete Überfälle verübt. Die kriminellen Taten, die die lokale Landwirtschaft heimsuchen und schwächen, sind mittlerweile unzählig. Dabei organisieren die Täter wahre Überraschungsangriffe, die einen landwirtschaftlichen Betrieb auch in die Knie zwingen können“, so der Präsident der Coldiretti der Region Apulien, Savino Muraglia.

Salvatore Moffa, der als ihr Präsident den in der Coldiretti organisierten Bauern von San Severo und Torremaggiore vorsteht, bläst ins gleiche Horn. „Man kann keinen landwirtschaftlichen Betrieb führen, indem man dauernd hinter die Schulter blickt und Tage und Nächte auf den Gütern verbringt, um landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge und Produkte zu bewachen und zu schützen. Wir erleben eine große Mutlosigkeit der Bauern, die aus Angst keine Anzeige erstatten. Die Kriminalität trägt auch zur Entvölkerung des Landes bei, weil sich viele Familien immer öfter zweimal überlegen, auf dem Land wohnen zu bleiben“, meint Salvatore Moffa.

„Eigentumsdelikte wie der Diebstahl von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, von Vieh und von landwirtschaftlichen Produkten, Verbrechen wie Schutzgelderpressung und Wucher sowie Sabotageakte dienen heute als Haupteinfallstore der organisierten Kriminalität“, so das traurige Fazit der Coldiretti der Region Apulien. Im gleichen Atemzug fordern die bäuerlichen Vertreter ein massives Eingreifen des Staates, das den Einsatz von Polizei und Heer mit einschließt.

Dies ist auch vonnöten. Südtirol ist zwar von Apulien weit entfernt, aber – Südtirol News berichtete – die Tentakel der Mafia haben ihren Weg längst in das regionale Genossenschaftswesen gefunden.

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Pubblicato da Coldiretti Puglia su Lunedì 21 ottobre 2019