Von: luk
Mezzolombardo – Nach dem tragischen Vorfall in Mezzolombardo, bei dem der 19-jährige Bojan Panic in der Nacht auf Freitag seinen Vater Simeun Panic (46) mit einem Messer tödlich verletzt haben soll, gibt es eine neue Entwicklung: Der Jugendliche wurde aus der Haft entlassen. Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keinen Grund, ihn weiterhin in Untersuchungshaft zu behalten.
Der junge Mann hatte angegeben, in der Nacht zum Messer gegriffen zu haben, um seine Mutter vor einem erneuten gewalttätigen Angriff durch den Vater zu schützen. Seine Schilderung gilt nach Angaben der Ermittlungsbehörden als glaubwürdig und wurde durch mehrere Zeugenaussagen untermauert. Noch am Tatort hatte sich der Sohn den Carabinieri gestellt.
Laut Ermittlungen war es nicht das erste Mal, dass der 46-jährige Vater, Simeun Panic, ausfällig wurde. Besonders nach Abenden, die er in Lokalen verbrachte und alkoholisiert nach Hause zurückkehrte, soll er seine Partnerin, die 41-jährige Milka, mehrfach bedroht und angegriffen haben. Die Familie lebte früher in Leifers und Mezzocorona, bevor sie nach Mezzolombardo zog. Doch der Albtraum begleitete sie offenbar durch all diese Stationen.
Am Donnerstagabend kündigte der Vater an, spät nach Hause zu kommen. Wie so oft. Und wie so oft folgte eine Flut von beleidigenden und eifersüchtigen Nachrichten an die Mutter. Aus Angst bereitete sich Bojan auf das Schlimmste vor: Er versteckte alle Küchenmesser, räumte gefährliche Gegenstände weg – und nahm ein kleines Klappmesser an sich, das er aus einem Schrank geholt hatte. Nicht, um zu töten – sondern um seine Mutter notfalls verteidigen zu können.
Gegen 23:30 Uhr kam der Vater nach Hause – betrunken, wütend, lärmend. Die Mutter und ihre beiden Söhne zogen sich in das gemeinsame Schlafzimmer zurück, in der Hoffnung, die Nacht unbeschadet zu überstehen. Milka legte sich zu Bojan ins Bett, der jüngere Bruder schlief im anderen. Doch gegen 1.30 Uhr betrat der Vater das Zimmer, forderte lautstark das Handy seiner Frau, beschimpfte sie und beugte sich drohend über sie.
In diesem Moment sah Bojan rot. Im Halbdunkel der Wohnung griff er zum Messer – und stach zu. Zwei-, dreimal, um den Vater von seiner Mutter wegzubringen, um sie zu schützen. Wenig später lag der Mann am Boden. Der jüngere Bruder rief den Notruf, Bojan übernahm das Gespräch: „Kommt schnell, ich habe meinen Vater verletzt“, sagte er. Ein letzter Versuch, die Situation zu retten – vergeblich. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod von Simeun Panic feststellen.
Der Jugendliche wurde vor Ort festgenommen und zunächst wegen Mordverdachts in Gewahrsam genommen. Inzwischen ist er jedoch wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft stuft seine Darstellung als glaubwürdig ein – zahlreiche Indizien und Zeugenaussagen stützen seine Aussage, aus Angst und nicht aus Hass gehandelt zu haben. Die Ermittlungen laufen aber weiter.
Die Staatsanwaltschaft prüft weiterhin, ob es sich um Notwehr gehandelt hat oder ob die Grenzen der Selbstverteidigung überschritten wurden. Die Familienwohnung in der Via Frecce Tricolori wurde beschlagnahmt, um weitere Beweise sichern zu können.
Nach der Tat soll der Jugendliche noch versucht haben, den schwer verletzten Vater zu reanimieren – doch für den 46-jährigen bosnischen Staatsbürger kam jede Hilfe zu spät. Die Familie lebt seit zwei Jahren im Trentino. Die Mutter, Sohn und der jüngere Bruder sind inzwischen bei Verwandten untergebracht. Die beiden Söhne besuch in Bozen die Oberschule.
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