19-Jähriger wurde Opfer einer Verwechslung – VIDEO

Mord an Thomas Bricca: Mattia und Roberto Toson festgenommen

Mittwoch, 19. Juli 2023 | 07:08 Uhr

Von: ka

Alatri – Die mutmaßlichen Mörder des 19-jährigen Thomas Bricca haben einen Namen. Nachdem in den letzten Monaten und Wochen umfangreiche Ermittlungen, bei denen Zeugenaussagen miteinander verglichen sowie Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras ausgewertet worden waren, die Ermittler zu Mattia Toson und seinem Vater Roberto geführt hatten, brachte die kriminaltechnische Untersuchung des Smartphones des Opfers den endgültigen Durchbruch. Mit der Anschuldigung, am vergangenen 30. Januar Thomas Bricca erschossen zu haben, wurden beide am Dienstag festgenommen.

Den Ermittlern der Carabinieri und der Staatsanwaltschaft zufolge war Thomas Bricca am 30. Januar durch eine Kugel in den Kopf ermordet worden, die von einem Unbekannten von einem Scooter aus abgefeuert worden war. Für den Mord an dem 19-Jährigen aus Alatri in der mittelitalienischen Region Latium wurden am Dienstagvormittag der 47-jährige Roberto Toson und sein 22-jähriger Sohn Mattia, der als der Haupttäter gilt, festgenommen. Während sein Vater Roberto den Scooter gefahren haben soll, hätte Mattia auf den 19-Jährigen mindestens zwei Schüsse abgegeben.

ANSA/INSTAGRAM/THOMAS BRICCA

Entscheidend für die beiden Verhaftungen waren Hinweise, die die Carabinieri in den letzten Tagen im Smartphone des Opfers gefunden hatten. Nachdem sie den Hersteller gebeten hatten, das vom 19-Jährigen zur Sicherung seines Smartphones festgelegte Passwort zu entschlüsseln, fertigten die Carabinieri der Sondereinheit RaCIS eine forensische Kopie aller Daten an.

Zusammen mit den bisher gesammelten Zeugenaussagen sowie den Ergebnissen der Auswertungen mehrerer Überwachungskameras gelang es den Carabinieri, nach und nach den Tathergang und seine Vorgeschichte zu rekonstruieren.

Am späten Abend vor der Bluttat war es im historischen Zentrum von Alatri zu einem Streit gekommen, an dessen Höhepunkt Francesco Dell’Uomo – ein angeheirateter Onkel von Mattia und ein Halbbruder von Roberto Toson – von einer rivalisierenden Gruppe zuerst verprügelt und anschließend an einer Brüstung aufgehängt worden war. Zu dieser Gruppe, die mit ihren Rivalen, den Tosons, vor geraumer Zeit in Konflikt geraten war, hatte auch ein junger Mann marokkanischer Herkunft, Omar Haudy, gehört.

Am Tatabend hatte sich Thomas Bricca in Gesellschaft von Freunden befunden, zu denen auch Omar gezählt hatte. Das entscheidende Detail war, dass Thomas und Omar an diesem Abend eine ähnlich aussehende helle Jacke getragen hatten, was die Ermittler sofort an eine mögliche Verwechslung denken ließ. Von Anfang an deuteten viele Indizien in die Richtung, dass es sich beim Verbrechen um eine Strafexpedition der Tosons für den Angriff auf Dell’Uomo gehandelt haben könnte.

Facebook/Comune Di Alatri

„Nicht Thomas, sondern Omar war das Ziel des Mordanschlags. Leider trug Thomas eine ähnlich helle Jacke wie Omar. Die Verwechslung wurde auch durch den Umstand begünstigt, dass der Schuss aus einer Entfernung von 19 Metern abgegeben wurde“, erklärt der Staatsanwalt, der bei dieser Gelegenheit auch auf den Hunderte Seiten zählenden Ermittlungsbericht zu sprechen kommt, der deutlich zeigt, wie umfangreich die Ermittlungen zum Mord und seiner Vorgeschichte waren.

ANSA/FACEBOOK/ROBERTO TOSON/Roberto und Mattia Toson

Im gleichen Atemzug weist der Leiter der Ermittlungen darauf hin, dass zwischen den Aussagen von Roberto und Mattia Toson und späteren Untersuchungsergebnissen „schwerwiegende Widersprüche“ festgestellt wurden. Nach der kriminaltechnischen Untersuchung ihrer beiden Smartphones stand fest, dass die beiden zum Tatzeitpunkt nicht an jenen Orten gewesen waren, die sie während ihrer ersten Verhöre als Aufenthaltsorte angegeben hatten. Um keine Spuren zu hinterlassen, hatten beide ihre Smartphones ausgeschaltet. Da die Ermittler dennoch viele belastende Hinweise fanden, stellte sich dieser Verschleierungsversuch aber als sinnlos heraus.

„Während sein Vater Roberto, der übrigens auch den Hausarrest missachtete, den Scooter lenkte, schoss Mattia Toson auf sein Opfer“, fasst der Staatsanwalt mit einem Satz den Tathergang zusammen.

Auf das Mordmotiv angesprochen, verweist der Leiter der Ermittlungen auf die zahlreichen Vernehmungen und Aussagen, die ausdrücklich auf die Auseinandersetzungen der „Gangs“ um den Drogenhandel in der Kleinstadt Alatri Bezug nahmen. Traurig ist, dass der vollkommen unschuldige und unbescholtene Thomas Bricca Opfer einer Verwechslung während eines Rachefeldzugs wurde.

Facebook/Federica Sabellico/Thomas Bricca

Seine Angehörigen fordern Gerechtigkeit. Aus ihrer Sicht sollten Roberto und Mattia Toson zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt werden.