Von: luk
Cortina – Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo werfen ihre Schatten voraus – und sorgen für eine Preisexplosion auf dem lokalen Immobilienmarkt. Wer während der 17 Tage des Großereignisses eine Unterkunft sucht, muss tief in seiner Tasche kramen.
In zentraler Lage von Cortina kostet eine 80-Quadratmeter-Wohnung satte 51.000 Euro – das entspricht rund 3.000 Euro pro Tag. Es geht aber noch teurer, wie ein Blick auf entsprechende Angebote im Internet zeigt.
Hotels sind aber nicht günstiger: Ein Vier-Sterne-Zimmer liegt bei 1.500 Euro pro Nacht, ein Fünf-Sterne-Hotel schlägt mit bis zu 2.500 Euro zu Buche.
Wie die italienische Tageszeitung Corriere della Sera berichtet, hat sich Cortina durch die Olympischen Spiele zu einer riesigen Baustelle verwandelt: „Neun große Hotels werden derzeit renoviert oder komplett neu aufgebaut. Doch die meisten davon werden erst nach den Spielen fertig sein.“ Die Folge: Wer in der Region ein Zimmer braucht, weicht auf private Unterkünfte aus, was die Mietpreise weiter in die Höhe treibt.
Bürgermeister warnt vor Spekulation
Bürgermeister Gianluca Lorenzi ruft Einheimische und Hoteliers dazu auf, nicht übermäßig zu spekulieren. „Die Spiele sind unser Ticket in die Zukunft“, betont er. Milliarden von Fernsehzuschauern weltweit könnten durch die Bilder der Dolomiten angelockt werden. Doch Cortina hat auch Herausforderungen zu bewältigen: Viele traditionelle Hotels mussten in den vergangenen Jahren schließen, und die hohen Immobilienpreise schrecken Investoren ab.
Für die Durchführung der Spiele werden tausende zusätzliche Unterkünfte benötigt. Allein für die Olympia-Familie bräuchte es mindestens 6.500 Betten, mit Zuschauern und Sicherheitskräften steigt der Bedarf auf rund 10.000. Die geplanten Lösungen stoßen nicht nur auf Begeisterung: Der Bau eines temporären Olympischen Dorfes für 35 Millionen Euro wurde beschlossen, allerdings wird es nach den Spielen wieder abgebaut. Für Kritiker stellt das eine vertane Chance dar, langfristig günstigen Wohnraum zu schaffen. Stattdessen werde ein temporärer Komplex errichtet, der nach wenigen Wochen wieder verschwindet – eine enorme Investition ohne nachhaltigen Mehrwert.
Gleiches Problem wie Mailand
Dabei wäre bezahlbarer Wohnraum in Cortina dringend nötig, insbesondere für die zahlreichen Arbeitskräfte, die während der Spiele und darüber hinaus in der Gastronomie, Hotellerie und im Einzelhandel beschäftigt sind. „Cortina hat dasselbe Problem wie Mailand: Es gibt viele Jobs, aber selbst mit einem ordentlichen Gehalt kann man sich hier kaum eine Wohnung leisten“, kritisiert die Oppositionspolitikerin Roberta De Zanna.
Dieses Spannungsfeld zwischen olympischem Glanz und den alltäglichen Problemen der Bevölkerung war auch ein zentraler Faktor bei der letzten Bürgermeisterwahl. Der frühere Amtsinhaber Gianpietro Ghedina, der maßgeblich an der Olympiabewerbung beteiligt war, wurde abgewählt – aus Sicht vieler Bürger hatte er sich mehr um das Prestigeprojekt als um die unmittelbaren Anliegen der Einwohner gekümmert.
Ist die Zukunft exklusiver denn je?
Ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung zeigt, dass sich Cortina immer stärker in Richtung von Luxus-Tourismus entwickelt. Während früher rund 65 Prozent der Gäste aus Italien kamen, hat sich das Verhältnis mittlerweile zugunsten internationaler Besucher gewandelt. Amerikaner, Briten und Belgier bringen höhere Kaufkraft mit, wodurch sich die Region immer weiter vom durchschnittlichen italienischen Urlauber entfernt.
Ein Beispiel dafür ist der Supermarkt der Kette Esselunga, der kürzlich in Cortina eröffnet wurde. Um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, musste das Unternehmen außerhalb der Stadt Wohnraum für seine Mitarbeiter anmieten und Shuttle-Dienste organisieren. Dieses Modell könnte auch für andere Branchen zur Regel werden: Wer in Cortina arbeiten will, muss also in Kauf nehmen, außerhalb zu wohnen – und täglich pendeln.
Olympia-Hype erreicht Südtirol
Jedenfalls macht die gewaltige Nachfrage nach Unterkünften sich nicht nur in Cortina, sondern auch in angrenzenden Regionen wie Südtirol bemerkbar. Viele Fans und Besucher suchen Alternativen, um dem Preisschock im Hotspot Cortina zu entgehen. Wie Südtirol News in Erfahrung bringen konnte, hat beispielsweise ein Hotel am Kalterer See vor mehreren Monaten eine Anfrage von Gästen aus Kanada erhalten. Dort reagiert man auf den Olympia-Boom mit einer eigenen Preisstrategie: Für den Zeitraum der Winterspiele wird der bisherige Saisonshöchstpreis um zehn Prozent erhöht.
Die Olympischen Winterspiele versprechen also nicht nur eine sportliche Leistungsschau, sondern auch einen wirtschaftlichen Boom – zumindest für diejenigen, die Wohnraum anbieten können. Wie nachhaltig dieser Effekt sein wird, bleibt abzuwarten.
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