Gewerkschaften schlagen Alarm

Pensionsalter wird ab 2027 erhöht

Donnerstag, 03. April 2025 | 07:24 Uhr

Von: luk

Rom – Die Lebenserwartung in Italien steigt – und damit auch das Pensionsalter. Wer ab 2027 in Rente gehen möchte, muss sich auf neue Hürden einstellen: Das gesetzliche Rentenalter steigt auf 67 Jahre und drei Monate. Alternativ bleibt nur der vorzeitige Ruhestand mit 43 Beitragsjahren für Männer und 42 Jahren und einem Monat für Frauen. Das geht aus den aktuellen Berechnungen des italienischen Statistikamts Istat hervor.

Gewerkschaften warnen vor drohender Pensionslücke

Die Gewerkschaft CGIL warnt vor drastischen Folgen für Tausende von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, die sich auf bestehende Regelungen zur Frühpensionierung verlassen haben. Durch die Anpassung an die Lebenserwartung drohen über 44.000 Betroffenen – darunter Isopensionsberechtigte und Personen mit Expansionsverträgen – ab Januar 2027 bis zu drei Monate ohne Einkünfte und Beitragszahlungen.

Die Isopensione ist ein flexibles Rentenmodell in Italien, das älteren Arbeitnehmern ermöglicht, früher in Rente zu gehen, ohne vollständig auf ihre Rentenbeiträge verzichten zu müssen. Das Modell erlaubt es Unternehmen, ältere Mitarbeiter früher in den Ruhestand zu schicken, während diese weiterhin Rentenbeiträge erhalten – allerdings finanziert durch das Unternehmen selbst, bis der reguläre Rentenanspruch greift.

„Hier geht es um Menschen, die sich an die bestehenden Regeln gehalten haben und nun plötzlich in eine Lücke fallen“, kritisiert Ezio Cigna, Rentenexperte der CGIL. Ohne politische Korrekturen drohe ein Präzedenzfall, der viele Italiener um ihre eingeplante Pension bringe.

Jüngere Generationen besonders betroffen

Langfristig trifft die Entwicklung vor allem die jüngere Generation, die nicht nur immer später in Rente gehen kann, sondern auch mit sinkenden Rentenansprüchen rechnen muss. Lara Ghiglione von der CGIL warnt, dass das Vertrauen in das öffentliche Rentensystem zunehmend schwinde: „Immer mehr junge Menschen haben Angst, im Alter ohne angemessene Absicherung dazustehen.“

Laut einer Studie des Sozialversicherungsinstituts INPS erhalten aktuell 53,5 Prozent der italienischen Rentner weniger als 750 Euro im Monat – bei Frauen sind es sogar 64,1 Prozent.

Italien im europäischen Vergleich

Mit 67 Jahren und drei Monaten liegt Italien im EU-Vergleich bereits an der oberen Grenze des Rentenalters. Deutschland, Belgien und die Niederlande ziehen allerdings nach und haben für die kommenden Jahre ebenfalls Erhöhungen geplant. Frankreich hingegen bleibt mit 64 Jahren deutlich darunter – allerdings nicht ohne massive Proteste gegen die Rentenreform. In Schweden und Dänemark wird das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt und könnte in den nächsten Jahrzehnten weiter ansteigen.

In ganz Europa verschiebt sich die Pension demnach nach hinten, doch in Italien droht für viele ein besonders harter Übergang.

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