Adalgisa Gamba [41] hielt ihren Sohn für einen Autisten – VIDEO

Schrecklicher Verdacht: Zweieinhalbjährigen Sohn bewusst ermordet?

Montag, 06. Februar 2023 | 08:04 Uhr

Von: ka

Torre del Greco – Eine schreckliche Tragödie, die sich vor etwas mehr als zwei Jahren abspielte, scheint vor Gericht eine dramatische Wende zu nehmen.

Der zuständigen Staatsanwaltschaft von Torre Annunziata zufolge sei der Tod eines zweieinhalbjährigen Buben nicht auf eine nach der Geburt eingetretene Depression der Mutter zurückzuführen. Anhand von Nachrichten, die die 41-jährige Adalgisa Gamba dem Vater des Buben geschickt hatte, und Anfragen, die sie in eine Suchmaschine eingegeben hatte, glaubt die Anklage beweisen zu können, dass die Mutter ihren eigenen Sohn bewusst tötete, weil sie ihn für einen Autisten hielt.

Adalgisa Gamba aus Torre del Greco südlich von Neapel steht wegen Mordes vor dem Schwurgericht von Neapel. Sie wird beschuldigt, ihren zweieinhalbjährigen Sohn Francesco getötet zu haben, weil sie glaubte, dass er autistisch war. Die schreckliche Tragödie ereignete sich am 2. Januar 2022 gegen 22.00 Uhr. Nachdem sie von ihrem Ehemann verständigt worden waren, begaben sich die Carabinieri zur Strandpromenade von Torre del Greco, wo sie die 41-jährige Mutter mit ihrem toten Kind vorfanden.

Die Mutter hatte sich in der Nähe eines Strandbades zusammen mit dem Kleinen ins eiskalte Meer gestürzt. Die 41-jährige Frau gab zunächst nur zusammenhanglose Sätze von sich. Später gestand sie den Carabinieribeamten, dass sie es gewesen war, die den Buben ins Meer geworfen hatte. „Ich habe ihn ins Meer geworfen, weil er krank war“, so Adalgisa Gamba. Die 41-Jährige wurde verhaftet und nach einem ersten Verhör ins Frauengefängnis von Neapel überstellt.

ANSA / CIRO FUSCO

In einem ersten Moment wurde angenommen, dass der kleine Francesco ertrunken war, aber laut dem Autopsiebericht war der zweieinhalbjährige Bub bereits tot gewesen, als sich seine Mutter mit ihm ins Meer gestürzt hatte. Dem Gerichtsmediziner zufolge war der kleine Bub erstickt worden.

Nach Angaben ihres damaligen Verteidigers leidet Adalgisa Gamba seit der Geburt ihres Sohnes an Depressionen. Demselben Anwalt zufolge habe seine Mandantin Gedächtnislücken und wisse vielleicht gar nicht, was sie getan habe. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass die Angeklagte die Tat vorsätzlich begangen habe. Anhand von Nachrichten, die die 41-jährige Adalgisa Gamba dem Vater des Buben geschickt hatte, und Suchanfragen, die sie in Google eingegeben hatte, glaubt die Anklage beweisen zu können, dass die Mutter ihren eigenen Sohn bewusst tötete, weil sie ihn für autistisch hielt.

Am Donnerstag standen sich Adalgisa Gamba und ihr Ehemann – der Vater des kleinen Francesco – das erste Mal seit der schrecklichen Tat vor Gericht gegenüber. Der Mann, der sich zusammen mit seiner Mutter dem Verfahren als Zivilkläger anschloss, hatte nach dem 2. Januar 2022 jeglichen Kontakt zu seiner Ehefrau abgebrochen. Vom Rest des Gerichtssaals abgetrennt, wohnte die 41-jährige Frau der Verhandlung in einer Sicherheitszelle bei.

Die Frau blieb selbst dann ruhig und regungslos, als der Kommandant der Carabinieristation von Torre des Greco, Oberleutnant Marco Massimiano, einige Nachrichten vorlas, die die 41-Jährige in den Tagen vor der Tat ihrem Mann gesandt hatte. „Wie hässlich er ist“, hatte sie zusammen mit einem Emoticon in einem offensichtlich scherzhaften Ton auf ein Foto des Kindes geantwortet. „Francesco will nicht schlafen. Meinst du, er will den Schnuller, oder wollen wir ihn sterben lassen, damit er diese Gewohnheit verliert?“, so eine der verstörenden Nachrichten. Da der Bub geweint habe und nicht eingeschlafen sei, sollen sich die Ereignisse später überschlagen haben. „Die Lage ist schrecklich. Hier stimmt etwas nicht“, lautet eine schockierende Botschaft.

Laut den beiden Verteidigern der Frau würden aber gerade die verspielten Emoticons beweisen, dass kein Vorsatz bestanden habe. Da der kleine Francesco Schwierigkeiten mit dem Sprechen hatte, hätte der kleine Bub am Tag nach der grausamen Tat von einem Psychiater untersucht werden müssen. Dazu kam es traurigerweise aber nicht mehr.

Adalgisa Gambas derzeitige Anwälte berichten, dass die Frau sie jedes Mal, wenn sie sie im Gefängnis besuchten, dieselbe Frage stelle. „Haben sie verstanden, wie ich meinen Sohn getötet habe?“, so die 41-Jährige zu ihren Rechtsanwälten. Auf dem Smartphone, das Taucher mehrere Tage nach der Tat aus dem Meer geborgen hatten, stellten die Experten der Carabinieri mehrere schockierende Suchanfragen sicher, die die Frau in den letzten 20 Stunden vor dem Tod des Buben in die entsprechende Google-Seite getippt hatte. „Erwürgtes Kind tot“, „Kind ins Meer geworfen“, „Kind getötet, weil es weinte“, „Familientragödie“ und „Körperverletzung mit Messer“ lauten die verstörenden Suchanfragen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge lassen diese Anfragen an Google auf einen Vorsatz schließen. Die Frau – so der Staatsanwalt – wollte herausfinden, welche Strafe sie im Falle einer Festnahme erwarten würde. Ihre Verteidiger entgegnen, dass diese Suchanfragen ein objektiver Beweis dafür seien, dass die Frau, die glaubte, dass ihr kleiner Sohn an Autismus leide, krank war.

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Das Schwurgericht von Neapel gab dem Antrag der Anwälte der Verteidigung statt und ordnete ein psychiatrisches Gutachten über Adalgisa Gamba an. „Um festzustellen, ob sie zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig war, ist eine eingehende medizinische Untersuchung erforderlich“, so die Richter des neapolitanischen Gerichts.

Der Fall des kleinen Francesco wühlt weit über Torre del Greco und Neapel hinaus die italienische Öffentlichkeit auf. Unabhängig von der Frage, ob die 41-Jährige den Buben bei vollem Bewusstsein tötete oder ob sie zum Zeitpunkt der furchtbaren Tat nicht zurechnungsfähig war, fragen sich viele Italiener, warum der kleine Francesco nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnte.