Von: ka
Cornate d’Adda – Nach unzähligen Anrufen von Männern, die nur nach einer bestimmten Art von Massagen verlangen, haben die beiden Inhaber des holistischen Zentrums La città del sole in Cornate d’Adda beschlossen, Männern den Zutritt zu verbieten.
Insbesondere die Inhaberin des Zentrums, Alessandra Fumagalli, war es leid, Fragen, ob die Massage auch den Intimbereich umfasse oder ob der Kunde auch nackt sein dürfe, zu beantworten. „Sie verlangen nur bestimmte Massagen: Das ist erniedrigend!“, so die 42-Jährige, die im Einvernehmen mit ihrem Mitinhaber Oscar Molteni beschloss, in Zukunft auf männliche Neukunden zu verzichten.
In der Regel wirken die Anfragen männlicher Kunden zunächst eher seriös und harmlos. Die Kunden fragen nach den Behandlungen, den Preisen und den Arbeitszeiten. Doch dann, immer am Ende des Anrufs, wird die Stimme leiser, als wolle sie eine leichte Verlegenheit verbergen. „Entschuldigen Sie, eine letzte Frage, umfasst die Massage auch den Intimbereich?“, fragt der Mann am anderen Ende der Leitung. „Darf man während der Behandlung nackt sein?“, lautet eine andere Variante „bestimmter Fragen“, die immer um eine bestimmte Art von Massagen kreisen.
Alessandra Fumagalli kann nicht mit Bestimmtheit sagen, wie viele Anrufe dieser Art sie im ersten Jahr seit der Eröffnung ihres holistischen Zentrums in Cornate d’Adda nordöstlich von Mailand entgegennehmen musste, aber sie schätzt, dass es zumindest mehrere Dutzende sind. In jedem Fall hielt sie die Anzahl für ausreichend, um in vollem Einvernehmen mit ihrem Kollegen Oscar Molteni die drastische Entscheidung zu treffen, keine neuen männlichen Kunden mehr anzunehmen.
„Ich konnte es nicht mehr ertragen. Wenn sie ‚Massage‘ lesen, denken viele Männer sofort an etwas Zweideutiges“, erklärt die 42-jährige Frau, die als Expertin ganzheitlicher Disziplinen gilt. „Ich bin in diesem Bereich seit rund 20 Jahren tätig. Im Laufe der Zeit habe ich mir einen treuen Kundenstamm aufgebaut, der zwar vor allem aus Frauen besteht, dem aber auch einige Männer angehören. So beschloss ich, mich selbstständig zu machen und in meiner Heimatgemeinde Cornate d’Adda mein eigenes holistisches Zentrum, La città del sole, zu eröffnen“, so Alessandra Fumagalli.
Nach dem x-ten Telefonanruf, bei dem es dem Kunden nur um erotische Massagen gegangen war, gelangte die 42-Jährige zur Überzeugung, dass es für sie nicht mehr tragbar sei, männliche Neukunden zu gewinnen. Die einzige Ausnahme bilden jene Männer, „die ich seit Langem kenne und denen ich vertrauen kann“.
„Die Missverständnisse sind vor allem auf die Unkenntnis darüber zurückzuführen, was in einem holistischen Zentrum angeboten wird. Ganzheitliche Praktiken befassen sich mit dem Wohlbefinden der Menschen. Sie zielen darauf ab, emotionale Blockaden zu lösen, den Geist wieder mit dem Herzen zu verbinden und Anspannungen abzubauen. Wir beschäftigen uns mit dem Geist derer, die sich bei uns behandeln lassen“, betont Alessandra Fumagalli.
Die 42-Jährige fügt hinzu, dass dabei verschiedene Techniken und Hilfsmittel wie Meditation, tibetische Glocken, das Zeichnen und natürlich mehrere Massagetechniken verwendet werden. Erotischen Massagen gehören aber sicherlich nicht dazu. Alessandra Fumagalli ist es leid, dass sie und ihre Arbeit mit dem Rotlichtmilieu und jenen immer wieder von den Ordnungskräften geschlossenen „Massagezentren“ in Verbindung gebracht werden, die nur für eine bestimmte Art von „Dienstleistungen“ bekannt sind.
„Da ich im Bereich ganzheitlicher Behandlungen seit Jahren tätig bin, bin ich es gewohnt, dass auch solche Anfragen kommen, aber ich dachte, die Sensibilität der Menschen hätte sich geändert. Manchmal lache ich sogar selbst darüber, aber es ist mir tatsächlich unangenehm. Als Frau, aber noch mehr als in meinem Beruf tätige Selbstständige empfinde ich solche Anfragen als erniedrigend. Ich betrachte mich als jemanden, der seine Arbeit ernst nimmt, aber es ist so, als ob eine Frau, die massiert, nur auf eine bestimmte Weise wahrgenommen wird. Ich denke, das sollte zum Nachdenken anregen“, findet Alessandra Fumagalli.
Ihre Entscheidung, keine männlichen Neukunden mehr anzunehmen, gab sie auf unmissverständliche Art und Weise auch auf dem Facebook-Profil ihres holistischen Zentrums bekannt. „Nicht nur von Leuten, die mich kennen, vor allem von Frauen und Freundinnen, sondern auch von vielen anderen Menschen habe ich viel Solidarität erfahren. Ich muss zugeben, dass zum Glück nicht alle Männer gleich sind“, freut sich Alessandra Fumagalli. Ihre drastische Entscheidung sorgt in ganz Italien für Aufsehen, aber die 42-Jährige kann endlich in Ruhe arbeiten.