25 Meter tiefer Sturz lässt Jugendlichem keine Chance – VIDEO

Tödliche Mutprobe: 15-Jähriger fällt wegen Selfie in Lüftungsschacht

Montag, 17. September 2018 | 07:47 Uhr

Von: ka

Sesto San Giovanni – Sesto San Giovanni, eine Stadt nördlich von Mailand in der Lombardei, wurde am Samstagabend Schauplatz eines ganz besonders tragischen und sinnlosen Todes. Ein 15-Jähriger, der zusammen mit Freunden auf das Dach eines Einkaufszentrums gestiegen war, um dort Selfies zu schießen, verlor in der Dunkelheit die Orientierung und fiel in einen 25 Meter tiefen Lüftungsschacht. Der Jugendliche konnte von den Rettungskräften noch lebend geborgen werden. Er erlag aber wenige Stunden später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

„Der Tod macht uns keine Angst, wir sehen ihm in die Augen“ schrieb A.B. in einem sozialen Netzwerk. Der 15-Jährige gehörte zu einer rund zehnköpfigen Gruppe gleichaltriger Freunde, die in ihrer Freizeit das Ziel verfolgten, auf die Dächer hoher Häuser zu steigen, um dort am Rande des Abgrunds Selfies zu schießen und Videos zu drehen. Später veröffentlichten sie sie als Beweis ihrer „Mutproben“ in den sozialen Netzwerken.

ANSA/ VIGILI DEL FUOCO

Für jenen tragischen Samstag hatten die Freunde das Dach des Kinos Skyline im Einkaufszentrum Sarca von Sesto San Giovanni als Ziel ihrer „Abenteuer“ auserkoren. Zunächst ging alles glatt. Die Freunde stiegen über eine Fluchtweg- und Brandschutzleiter auf das Dach des Kinos, um dort die üblichen Selfies zu schießen und Videos zu drehen. Dann aber verlor A.B. in der Dunkelheit die Orientierung, kam zu einem Abluftausgang eines Lüftungsschachtes, der nur durch eine niedrige Brüstung gesichert war, und fiel in ihm hinein. Der 15-Jährige stürzte rund 25 Meter – bis zur Höhe des zweiten Untergeschosses des Gebäudes – in die Tiefe. Als sie erkannten, dass A.B. fehlte, verständigten die Jugendlichen sofort die Rettungskräfte.

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Als diese am Unglücksort eintrafen, hatte A.B. bereits das Bewusstsein verloren. Um den schwerverletzten, aber noch lebenden Jugendlichen aus dem Grund des Schachtes zu bergen, sah sich das Notarztteam dazu gezwungen, die Spezialeinheit der Feuerwehr SAF (Speleo-Alpino-Fluviale, Höhlen-, Berg- und Flussrettung, Anmerkung der Redaktion) zu Hilfe zu rufen. Die Männer der Spezialeinheit mussten sich in den Schacht abseilen lassen, während ihre Kollegen von außen ein Loch in die Metallwand des Schachtes frästen. Dank dieser umfangreichen und komplizierten Rettungsaktion konnte der 15-Jährige aus dem Schacht geholt werden. Er wurde von den Rettungskräften erstversorgt und in das Mailänder Krankenhaus Niguarda gebracht. Dort erlag er aber wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen.

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Der Tod des 15-Jährigen löste in der italienischen Öffentlichkeit tiefes Entsetzen aus. Experten beobachten schon seit geraumer Zeit, dass sich Jugendliche immer öfter zu riskanten „Mutproben“ wie das Überqueren von Gleisen und viel befahrenen Straßen oder das Besteigen von Zugwaggons – erst im Februar hatte so eine 15-Jährige ihr Leben verloren – und hoher Gebäude hinreißen lassen. Viele Beobachter machen für diese „Mutproben“ die durch die sozialen Netzwerke befeuerte Geltungssucht, Selfiewahn und generell den Werteverfall sowie den Mangel an Vorbildern in der Gesellschaft verantwortlich. Ein Nutzer brachte auf Twitter seine ganze Ratlosigkeit und Verzweiflung zum Ausdruck.

Wie kann man solche Tragödien in Zukunft verhindern?