Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Die islamistische Terrororganisation Hamas hat die Leichen von vier israelischer Geiseln im Gazastreifen übergeben und damit ihre Zusagen für die erste Phase der Waffenruhe erfüllt. Die israelische Regierung und das Forum der Angehörigen und Freunde der Geiseln bestätigten am Donnerstag die Identität der Toten.
“Mit tiefer Trauer haben wir die Nachricht von der Identifizierung von Shlomo Mantzur, Tsachi Idan, Itzhak Elgarat, Ohad Yahalomi erhalten”, hieß es am Donnerstag. Sie waren am 7. Oktober 2023 beim Hamas-Überfall auf Israel entführt worden. Jüngst hatte es um eine andere Geisel-Leiche Verwirrung gegeben.
Israelische Delegation reist nach Kairo
Damit sind alle 33 Geiseln – 25 lebend und acht tot – wieder in Israel, deren Rückgabe die Hamas während der ersten Phase des laufenden Waffenruheabkommens zugesagt hatte. Nach Angaben des Angehörigen-Forums werden nun noch 59 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Man geht aber davon aus, dass nur noch 27 am Leben sind.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat unterdessen eine Delegation seines Landes angewiesen, sich auf den Weg nach Kairo zu machen. Sie solle die Gespräche über eine Feuerpause im Gazastreifen fortsetzen, teilt Netanyahus Büro mit. Über diese zweite Phase haben beide Seiten bisher aber Berichten zufolge noch nicht ernsthaft verhandelt.
In diesem zweiten Abschnitt sollen alle Geiseln zurückkommen und Israel muss seine Truppen vollständig aus dem Küstenstreifen abziehen. Der Krieg soll dauerhaft beendet werden, was die rechtsextremen Koalitionspartner des israelischen Regierungschefs Netanyahu jedoch ablehnen. Sie fordern, den Krieg so lange fortzusetzen, bis die Hamas vollständig vernichtet ist.
Netanyahus Büro: Drei Geiseln in Gefangenschaft ermordet
Vom Büro von Premier Netanyahu hieß es zu den am Mittwochabend übergebenen Toten, auf Grundlage “der uns vorliegenden Informationen und Erkenntnisse” seien Yahalomi, Idan und Elgarat “während ihrer Gefangenschaft in Gaza ermordet” worden. Die vierte Leiche, die in der Nacht zurückgegeben wurde, wurde als Shlomo Mantzur identifiziert. Israel hatte am 11. Februar bekannt gegeben, dass der 86-jährige Mantzur bei dem Angriff am 7. Oktober 2023 getötet worden war und seine Leiche in den Gazastreifen gebracht wurde.
Auch das Forum der Geiselfamilien bestätigte in einer Erklärung die Identität aller vier Geiseln. “Wir haben die Nachricht über die Identifizierung von Shlomo Mantzur, Tsachi Idan, Itzhak Elgarat und Ohad Yahalomi (…), die in Israel zur ewigen Ruhe gebettet wurden, mit tiefer Trauer aufgenommen”, hieß es. Yahalomi hatte neben dem israelischen Pass auch die französische Staatsbürgerschaft, Elgarat war israelisch-dänischer Staatsbürger.
Übergabe ohne propagandistische Ausschlachtung
Wie von der israelischen Regierung gefordert, war die Übergabe dieses Mal nicht als makaberes Spektakel mit bewaffneten Hamas-Kämpfern, lauter Musik und anti-israelischer Propaganda bei der Aushändigung der Särge inszeniert worden. Laut dem Büro von Ministerpräsident Netanyahu war darüber im Voraus Einigung mit den Islamisten erzielt worden.
Im Gegenzug für die Übergabe der toten Geiseln wurden nach palästinensischen Angaben in der Nacht 596 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen. Weitere 46 sollten folgen, sobald die von der Hamas zurückgegebenen Leichen identifiziert wurden. Insgesamt sollte Israel in der ersten Phase 1.904 Palästinenser freilassen.
Die Hamas betonte in einer Erklärung, weitere Geiseln würde nur freigelassen, wenn sich Israel an die Waffenruhe-Vereinbarung halte und über Vermittler Gespräche über die zweite Phase des Abkommens aufnehme.
Israel will sich nicht aus Korridor zurückziehen
Die israelische Armee wird sich Medienberichten zufolge vorerst nicht wie in der Waffenruhevereinbarung mit der Hamas vorgesehen aus einem Korridor des Gazastreifens an der Grenze zu Ägypten zurückziehen. “Wir werden den Philadelphi-Korridor nicht verlassen und nicht zulassen, dass sich die Mörder der Hamas (…) wieder durch Schmuggel aufrüsten”, zitierten Medien einen israelischen Beamten.
Diese Weigerung könnte die seit dem 19. Jänner herrschende Waffenruhe und die Rückgabe der verbleibenden israelischen Geiseln in der Gewalt der Islamisten gefährden. Im Rahmen der Waffenruhe war vereinbart worden, dass sich die israelischen Streitkräfte schrittweise aus dem Philadelphi-Korridor zurückziehen würden. Der Abzug sollte am Wochenende beginnen und rund eine Woche später abgeschlossen sein.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker am 7. Oktober 2023, bei dem Hamas-Terroristen und andere Islamisten rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt hatten.
Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 48.300 Menschen getötet, darunter viele Frauen und Minderjährige. Die Zahlen machen keinen Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten und lassen sich nicht unabhängig bestätigen, werden von den Vereinten Nationen aber als ziemlich glaubwürdig eingestuft.
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