Von: mk
Rom – Bei der jüngsten Verhandlungsrunde der Gemischten Expertenkommission Italien-Österreich im Ministerium für Universität und Forschung in Rom stand die Anerkennung von österreichischen Bachelor- und Masterstudientiteln in Italien auf dem Programm. Im Zuge dieser Verhandlungen wurde zum ersten Mal die Gleichwertigkeit einiger Fachhochschulabschlüsse aus den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Soziale Arbeit und Ingenieurwesen beschlossen.
Bildungslandesrat Philipp Achammer wertet das Verhandlungsergebnis als bedeutenden Erfolg für Südtiroler Studierende: “Nach langen Vorbereitungen und intensiven Bemühungen wurde mit der Anerkennung von Fachhochschulabschlüssen. Diese neu genehmigten Studientitel an österreichischen Fachhochschulen kommen vielen Studentinnen und Studenten zugute.”
Die Verhandlungen fanden im Beisein von Delegierten der Außenministerien und der Wissenschaftsministerien beider Länder, der ENIC-NARIC-Zentren (“Nationale Informationszentren für akademische Anerkennung”) sowie der Universität Innsbruck statt. Für das Land nahmen die Direktorin der Abteilung Bildungsförderung Rolanda Tschugguel und die Expertin für Anerkennungsfragen Cristina Pellini teil. “Die große Neuerung in diesem Jahr betrifft sicher die Studientitel der österreichischen Fachhochschulen”, unterstreicht Direktorin Tschugguel und Cristina Pellini ergänzt: “In Zukunft wird es für Südtiroler Studierende möglich sein, sich auch diese Abschlüsse in Italien anerkennen zu lassen. Das war stets ein großes Anliegen unserer Abteilung.”
Die Sitzung stand im Zeichen der Zusammenarbeit, die es seit mehr als 70 Jahren in dieser Form gibt. Grundlage dafür ist das bilaterale Kulturabkommen zwischen Italien und Österreich. Das gegenseitige Anerkennungsverfahren ist eines der ältesten und erfolgreichsten Instrumente zur akademischen Anerkennung auf europäischer Ebene und sichert Mobilität und die automatische Gleichwertigkeit von Studienabschlüssen.
Der Notenwechsel, das zentrale Abkommen zur Anerkennung akademischer Titel und Grade, wird regelmäßig in Wien und Rom verhandelt. Die jüngste Niederschrift durchläuft nun den diplomatischen Prozess für die Ratifizierung und im Anschluss können die neu verhandelten Titel auch anerkannt werden. Das nächste Treffen dieser Gemischten Expertenkommission ist für 2026 in Wien geplant.
SH sehr zufrieden
Hocherfreut über die Nachrichten aus Rom zur Anerkennung der an österreichischen Fachhochschulen erworbenen Studientitel zeigt sich die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus). Erstmals ist es nun möglich, dass einige Bachelor- und Masterstudienabschlüsse von österreichischen Fachhochschulen in Italien anerkannt werden. Konkret geht es um die Bereiche Wirtschaftswissenschaften, Soziale Arbeit und Ingenieurwesen. Laut Südtiroler HochschülerInnenschaft sei das ein kleiner Meilenstein. Bisher konnten die vielen Südtiroler Studierenden, welche an österreichischen Fachhochschulen studieren, ihre dort erworbenen Studientitel nicht in Italien anerkennen lassen. Dass dies nun möglich gemacht wird, erleichtert vielen auch die Rückkehr nach Südtirol nach dem Studium.
Die Südtiroler HochschülerInnenschaft: „Wir hören immer wieder von jungen Südtirolern und Südtirolerinnen, die ihr Studium an einer Fachhochschule im Ausland absolviert haben und gerne danach zurückkommen würden, um in Südtirol zu arbeiten. Da das FH-System jedoch in Italien in dieser Form nicht besteht, war eine Anerkennung dieser Studientitel nicht leicht möglich. Konkret bedeutet das auch etwa weniger Gehalt für diese Studienabgänger im öffentlichen Dienst.“
Die Südtiroler HochschülerInnenschaft wertet die Reform als Schritt in die richtige Richtung. Mit derlei Maßnahmen könne man auch der Abwanderung bzw. dem von der Politik oft erwähnten Phänomen des „Brain-Drain“ entgegenwirken. „Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Studientitel anerkannt sind, desto geringer die Hürden für die entsprechenden AbsolventInnen, zurückzukehren und desto mehr Fachkräfte zurück im Land“, so Alexander von Walther, Vorsitzender der sh.asus.
Längerfristig müsse man jedoch an einer europäischen Lösung arbeiten. „In einem vereinten Europa kann und muss es möglich sein, eine insofern einheitliche Hochschulpolitik zu finden, als dass ein in einem EU-Mitgliedstaat erworbener Studientitel ohne großen Aufwand in einem anderen anerkannt werden kann. Dafür treten wir als SH ein!“, betont sh.asus-Vizevorsitzende Magdalena Scherer. Ein besonderer Dank gilt laut sh.asus in dieser Sache speziell dem Bildungsressort von Landesrat Achammer und allen voran den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Abteilung Bildungsförderung.
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