Von: importer
Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat am Sonntag die erste Runde der bulgarischen Präsidentenwahlen gewonnen, muss aber in eine Stichwahl. Laut Exitpolls des Meinungsforschungsinstituts Alpha Research kommt Jotowa auf 35,3 Prozent der Stimmen. Für Andrej Gjurow haben demnach 32,4 Prozent gestimmt. Auf Platz drei reihte sich der Nationalist Kostadin Kostadonow mit 12,6 Prozent ein. Jotowa und Gjurow treten am 1. November in einer Stichwahl gegeneinander an.
Die Wahlbeteiligung war erwartungsgemäß niedrig, erreichte allerdings mit knapp 22 Prozent ein Rekordtief. Jotowa wurde von der allein regierenden Mitte-links-Partei “Progressives Bulgarien” (PB) des russlandfreundlichen Ministerpräsidenten Rumen Radew sowie der traditionell russophilen sozialistischen Partei BSP unterstützt. Ihr Herausforderer, der 50-jährige prowestliche Ex-Interimsregierungschef und früherer Vizechef der Zentralbank Andrej Gjurow, wird von der oppositionellen Reformpartei “Wir setzen den Wandel fort” (PP) und dem liberal-konservativen Bündnis “Demokratisches Bulgarien” (DB) unterstützt.
Symbolische Zerreißprobe zwischen Westanbindung und prorussischen Reflexen
Die Präsidentschaftswahl stand symbolisch für die Zerreißprobe, in der sich das EU- und NATO-Mitglied Bulgarien seit Jahren befindet: ein ständiges Tauziehen zwischen Westanbindung und historisch tief verwurzelten prorussischen Reflexen.
Der Ukraine-Krieg gehörte zu den entscheidenden Wahlkampfthemen. Erst vor wenigen Wochen waren vor der bulgarischen Schwarzmeerküste vier Handelsschiffe mutmaßlich von russischen Drohnen getroffen worden. Zudem wurden unweit von Sofia Antennen des Satelliteninternetdienstes Starlink in Brand gesetzt, dessen Netz wichtiger Bestandteil der ukrainischen Verteidigung im russischen Angriffskrieg ist. Während Jotowa gegen Waffenlieferungen für die Ukraine ist und eine schnelle Friedenslösung fordert, lehnt Gjurow eine Entscheidung über den Köpfen der EU und der Ukraine ab. Beide bekennen sich zur EU- und NATO-Mitgliedschaft Bulgariens.
Auffällig bei der Wahl am Sonntag ist, dass die einst mächtige konservative GERB-Partei des Langzeitpremiers Bojko Borissow erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2009 auf einen eigenen Kandidaten verzichtete. Wen die im April abgewählte GERB-Partei in der Stichwahl unterstützen wird, gilt daher für die politischen Beobachter in Sofia als die entscheidende Frage.




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