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Der russische Präsident Wladimir Putin ist zu einer Wiederaufnahme der Gespräche mit der Ukraine und den USA im kommenden Monat bereit. Dies erklärte Kreml-Berater Juri Uschakow nach dem Treffen Putins mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg. Die Verhandlungen sollen sich Uschakow zufolge auf Sicherheitsgarantien für Russland und die Ukraine nach einem Ende des Konflikts konzentrieren. Solche Gespräche gab es zuletzt im Februar.
“Das Thema betrifft den Aufbau eines Sicherheitssystems für Russland und die Ukraine”, wurde Uschakow von der russischen Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Als möglichen Termin nannte er die Zeit nach dem 10. November, ein möglicher Ort könne Abu Dhabi sein.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich in Zusammenhang mit dem Treffen zuversichtlich. “Vielleicht sind wir jetzt so nah dran wie noch nie”, sagte er am Mittwoch in Washington. Jedenfalls sei eine Einigung seiner Einschätzung nach nähergerückt.
Das Treffen zwischen Witkoff und Putin im Konstantinpalast habe etwa drei Stunden gedauert, meldeten Staatsmedien nach Angaben des Kremls. Witkoff bezeichnete den Austausch im Nachhinein als “konstruktiv”. “Die Diskussionen waren konstruktiv und werden mit trilateralen Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine fortgesetzt”, schrieb Witkoff am Mittwoch in Onlinediensten. “Es gibt noch wichtige Arbeit zu erledigen, aber Präsident Trump bleibt entschlossen, sich weiter für ein Ende dieses Krieges einzusetzen.”
Putin dankte Trump für Bemühungen
Putin selbst dankte zum Auftakt des Treffens US-Präsident Donald Trump erneut, dass er sich um eine Beendigung des Ukraine-Krieges bemühe. Mit am Verhandlungstisch saßen auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow und sein Beauftragter für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll per Telefon zugeschaltet worden sein.
Der Kremlchef sagte, dass Russland an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA interessiert sei. Nach den bereits vereinbarten Diesellieferungen könne Russland auch Dünger in großen Mengen für den amerikanischen Markt bereitstellen, sagte Putin. Der erste Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel soll an diesem Donnerstag seine Reise starten.
Witkoff übergab bei dem Treffen auch Dokumente, die er am Vortag in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Europäern als Vorschläge für eine Friedenslösung formuliert hatte, wie er selbst sagte. Konkrete Inhalte waren zunächst nicht bekannt. Nach eigenen Angaben überbrachte er Putin “Ideen” für ein Ende des inzwischen fast fünf Jahre andauernden Konflikts. Die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Europäer und der Ukraine für eine Friedenslösung bewertete der Kreml kritisch.
Witkoff wieder nach Oslo zurückgekehrt
Witkoff kehrte daraufhin in die norwegische Hauptstadt zurück, um Ministerpräsident Jonas Gahr Støre Bericht über sein Treffen mit Putin zu erstatten. “Es besteht nun Einigkeit darüber, ein neues trilaterales Treffen auf hoher Ebene zwischen Russland, den USA und der Ukraine anzusetzen, voraussichtlich Mitte November”, sagte Støre im Fernsehen. “Es solle um die Sicherheitsarchitektur nach dem Konflikt gehen.”
US-Unterhändler Witkoff hatte am Dienstag mit europäischen Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Witkoff nannte die Gespräche in Norwegen produktiv. Es gebe Fortschritte. Er habe einige Unterlagen zu den Vorschlägen mitgebracht, über die sich Putin Gedanken machen könne.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Die Lage hat sich für das Land in der kalten Jahreszeit angesichts massiver russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur massiv verschärft, weil Kiew auch nicht ausreichend Mittel für die Flugabwehr hat. Russland hofft darauf, mit einem weiteren Kriegswinter den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Selenskyj hatte zuletzt eine Waffenruhe für gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen befürwortet. Putin lehnte das bisher ab.
Meinl-Reisinger pocht auf Beteiligung Europas
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) pochte indes auf eine Beteiligung Europas an den Friedensgesprächen. Europa habe in dem Konflikt noch “vieles in der Hand an Karten, und ich glaube, es ist hoch an der Zeit, dass Europa beginnt, sie auch zu spielen”. Konkret brauche es einen “Frieden durch Stärke” und eine Verschärfung der Sanktionen, sagte sie am Mittwoch im Pressefoyer nach dem Ministerrat. “Jetzt gehört der Druck auf Russland erhöht.” Sie bedauere, dass die USA sich dem entziehen.
Europa müsse auch aus eigenem Interesse gegen einen “Diktatfrieden” in der Ukraine sein. Wenn Russland nämlich “lernt, dass es sich auszahlt, Völkerrecht zu brechen, dass man Grenzen mit Gewalt verschieben kann, dass man Erfolg hat mit Terror (…), wieso sollte dann nicht der Appetit auf mehr entstehen?”
Freilassung des US-Bürgers Hubbard
Putin gab zu Beginn des Treffens die Freilassung eines US-Amerikaners bekannt, der 2024 zu langer Haft verurteilt worden war, weil er als Söldner an der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen russische Truppen gekämpft haben soll. Stephen Hubbard sei bereits auf dem Flughafen Pulkowo in St. Petersburg, sagte der Präsident der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Witkoff dankte Putin für die Freilassung des 75-Jährigen. Hubbards Familie und die Amerikaner seien froh darüber. Witkoff will nach den Unterredungen mit dem russischen Präsidenten von Pulkowo abreisen und dürfte Hubbard mitnehmen.
“Für diese Freilassung war kein “Austausch” erforderlich”, teilte Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social mit. Die USA hätten keine Gegenleistung erbringen müssen. Trump sprach von “einer für Russland beispiellosen Situation”. Putin hatte unlängst bereits einen anderen US-Amerikaner freigelassen, ohne – wie sonst üblich – im Gegenzug die Freilassung eines Russen zu verlangen. Trump sagte, dass er Putin um die Freilassung Hubbards bei ihrem jüngsten Telefonat gebeten habe. “Stephen ist auf dem Weg nach Hause”, erklärte er.
Russland kündigt erste Diesellieferung in die USA an
Russland kündigte indes die erste Dieselverschiffung in die USA für den Donnerstag an. “Dieser Tanker wird eine Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen haben”, sagte Vizeregierungschef Alexander Nowak vor Journalisten, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete. Weitere Lieferungen werden demnach folgen. Die Vertragsunterzeichnung stehe kurz vor dem Abschluss. Nowak schloss dabei Dieselexporte auch in andere Länder nicht aus. Das hänge jedoch von den russischen Raffineriekapazitäten ab.
Anfang Oktober 2026 vereinbarten Trump und Putin Diesellieferungen aus Russland in die USA, wofür Washington bestehende Russland-Sanktionen vorübergehend aussetzte. Der Deal löste international scharfe Kritik aus – von der EU, der Ukraine und sogar Teilen des US-Kongresses – während Moskau ihn begrüßte.
Vier Tote bei erneuten russischen Angriffen auf die Ukraine
Unterdessen wurden bei einer neuen Welle russischer Angriffe auf die Ukraine nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet. Zwei Menschen starben beim Einschlag einer Drohne in ein 24-stöckiges Gebäude in Kiew, zwei weitere in der nordöstlichen Region Charkiw, wie Ministerpräsident Serhij Korezkyj am Mittwoch mitteilte.
Russland habe seit Dienstagabend “unaufhörlich” Energieanlagen, Bahnanlagen, Einkaufszentren und Wohngebäude angegriffen, erklärte Korezkyj. Betroffen waren demnach Energieanlagen in den Regionen Kiew, Wolhynien, Odessa und Mykolajiw. Auch ein Einkaufszentrum in Uman und ein Universitätsgebäude in Krementschuk wurden getroffen. Im Schwarzen Meer wurde nach Angaben des Regierungschefs zudem ein Handelsschiff von einer Drohne angegriffen.
Bei den Todesopfern in der Region Charkiw handelte es sich nach Angaben des Regionalverwaltungschefs Oleh Synjehubow um ein älteres Paar. Ihre Leichen seien nach der Zerstörung ihres Hauses aus den Trümmern geborgen worden. Elf weitere Menschen wurden in der Region nach Behördenangaben verletzt.
Der ukrainische Stromversorger DTEK meldete wegen der Angriffe außerplanmäßige Stromabschaltungen in Teilen Kiews. In anderen Stadtteilen gab es demnach bereits geplante Stromabschaltungen.




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