Inklusionsdebatte in Südtirol

Schule schließt Schülerin mit Down-Syndrom von Wien-Reise aus

Mittwoch, 02. April 2025 | 08:51 Uhr

Von: mk

Auer – Ein Vorfall an einer Schule in Auer hat in Südtirol eine hitzige Debatte über Inklusion ausgelöst. Sonja Bacher, Mutter einer 18-jährigen Schülerin mit Down-Syndrom und Präsidentin des Vereins „Il Sorriso“, kritisiert die Schule scharf, weil ihre Tochter von einer Klassenfahrt nach Wien ausgeschlossen wurde. Die Mutter hat den Vorfall öffentlich gemacht und auch gegenüber der Zeitung Alto Adige ihre Geschichte erzählt.

„Ich erfuhr erst in letzter Minute von der Reise, als ich zufällig eine Nachricht im Schülerregister las, in der das Programm für einen bevorstehenden Studienaufenthalt in Wien beschrieben wurde“, erzählt Bacher. „In diesem Moment wurde mir klar, dass meine Tochter, die das Down-Syndrom hat, nicht an der Schulveranstaltung teilnehmen würde.“

Sonja Bacher setzt sich gemeinsam mit dem Verein „Il Sorriso“ seit Jahren für Inklusion und den Abbau von physischen und geistigen Barrieren ein. Obwohl der Vorfall sich nicht erst kürzlich zugetragen hat, handelt es sich gerade auch deshalb um eine Wunde, die noch nicht verheilt ist. „Ich erzähle dies, weil die Menschen wissen sollen, dass es auf dem Weg zur Inklusion noch viel zu tun gibt. Gerade im schulischen Umfeld, das kulturell besser aufgestellt sein sollte.“

Die Mutter kritisiert, dass sie nicht in die Planung der Reise einbezogen wurde. „Als ich das Programm las, war ich zunächst glücklich, weil ich mir vorstellte, wie sehr sich Daniela freuen würde“, erinnert sie sich. „Aber dann erfuhr ich, dass alles bereits organisiert war und die anderen Eltern bereits bezahlt hatten. Niemand hatte uns berücksichtigt.“

Als Bacher bei der Schule nachfragte, wurde ihr mitgeteilt, dass Danielas Betreuerin aus persönlichen Gründen nicht mitfahren könne. Bacher bot daraufhin an, ihre Tochter selbst zu begleiten und alle Kosten zu übernehmen. Die Schule lehnte dies jedoch aus versicherungstechnischen Gründen ab, obwohl Bacher bereit war, jegliche Haftung zu übernehmen.

„Früher durfte ich meine Tochter bei Schulausflügen begleiten“, sagt Bacher. „Ich bin immer noch der Meinung, dass man eine Lösung hätte finden können.“ Auch ihre Versuche, Unterstützung bei Bildungslandesrat Philipp Achammer und bei der zuständigen Abteilung im Land zu erhalten, blieben erfolglos.

„Daniela fragt immer noch, warum sie nicht mit nach Wien durfte“, sagt Bacher. „Sie war sehr enttäuscht.“ Nach dem Vorfall gab es ein Treffen mit der Schule, bei dem zugesichert wurde, dass Daniela bei zukünftigen Ausflügen teilnehmen dürfe. „Aber der Schaden ist bereits angerichtet“, sagt Bacher. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass so etwas nie wieder passiert.“

Bezirk: Überetsch/Unterland

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