Von: luk
Washington D.C. – Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Strafzölle könnten nicht nur die Preise in den Vereinigten Staaten in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum bremsen – sie könnten auch eine neue Ära des Schmuggels einläuten. Diese Einschätzung stammt vom kanadisch-amerikanischen Autor David Frum, der in einem Beitrag für The Atlantic die unbeabsichtigten Folgen der protektionistischen Handelspolitik skizziert.
Im Kern geht es um eines: Viele Konsumgüter – von Fernsehern über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln – könnten bald in den USA 20 bis 35 Prozent mehr kosten als anderswo auf der Welt. Diese Preisunterschiede eröffnen riesige Arbitragemöglichkeiten – und dürften ganz normale Bürger dazu verleiten, sich auf kreative Weise mit günstigeren Produkten aus dem Ausland einzudecken. Kanada etwa könnte zum Einkaufsparadies für US-Bürger werden.
Die US-Zollbehörden verfügen mit rund 26.000 Beamten nicht über ausreichende Kapazitäten, um ein derartiges Ausmaß an grenzüberschreitendem Warenverkehr wirksam zu kontrollieren. Zudem setzt Trump auch im öffentlichen Dienst den Sparstift an. Während der Schmuggel harter Drogen wie Fentanyl zu Recht bekämpft wird, dürfte kaum jemand ein Problem damit haben, „freihandelskonforme“ Unterwäsche oder Kaffeepackungen aus Kanada zu erwerben – selbst wenn sie aus dem Kofferraum verkauft werden.
Staatliche Stellen wie die Polizei oder Kommunalbehörden hätten zudem wenig Motivation, gegen Kleinhändler oder Onlineplattformen vorzugehen, auf denen diese Ware angeboten wird. Und auch internationale Unterstützung zur Durchsetzung amerikanischer Zölle dürfte ausbleiben. Warum sollte Kanada, so Frum, Washington bei der Durchsetzung einseitiger Handelsmaßnahmen helfen, die der eigenen Wirtschaft schaden?
Im Gegenteil: Kanada könnte das Grenzshopping sogar fördern – etwa durch Steuererleichterungen für US-Kunden. Der Verzicht auf die Mehrwertsteuer für amerikanische Käufer könnte einen Boom im Einzelhandel auslösen und so die wirtschaftlichen Folgen der US-Zölle zumindest teilweise abfedern. Und jedes verkaufte Autoradio oder jeder Satz Winterreifen wäre zugleich ein stiller Protest gegen Washingtons Handelspolitik.
Selbst wenn die US-Regierung versuchen sollte, durch längere Wartezeiten an Grenzübergängen oder andere Maßnahmen gegenzusteuern, würde sich der Warenfluss kaum aufhalten lassen. Güter könnten per Boot, Kleinflugzeug oder sogar per Schneemobil ins Land gebracht werden. Frum zieht einen historischen Vergleich: Schon die Prohibition in den 1920er-Jahren scheiterte letztlich am Einfallsreichtum der Bevölkerung – und genau das droht nun auch den Zöllen.
„Kanada könnte zu einer Art West-Berlin für Konsumenten werden – mit glänzenden Regalen und normalen Preisen“, schreibt The Atlantic. Während sich die USA wirtschaftlich abschotten, bleibe den Nachbarn im Norden zumindest die Genugtuung, den Amerikanern beim Schnäppchenkauf zu helfen.
Der Autor ist überzeugt: Je schneller Trumps Zollsystem kollabiert, desto besser – für die USA und den Rest der Welt.
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