UEFA und Infantino werden keine Freunde mehr

Infantino hält Kritiker hin und bleibt Antworten schuldig

Donnerstag, 15. Oktober 2026 | 17:28 Uhr

Von: importer

Europas Fußball-Funktionäre halten auch nach einer Entschuldigung von Gianni Infantino bei der Sitzung des FIFA-Councils an ihrer Rücktrittsforderung an den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes fest. In dem mehrstündigen Meeting wurde der FIFA-Boss mit vielen Fragen konfrontiert. Infantino habe eine Beantwortung zu allen Themen zugesagt, berichtete die englische FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt. Am Ende zogen Europas Vertreter enttäuscht von dannen.

“Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben”, sagte der deutsche Verbandschef Bernd Neuendorf. Die Council-Sitzung war die erste Zusammenkunft von Infantino mit seinen Kontrahenten nach dessen massiv umstrittener Idee für einen WM-Investorenplan im Sommer. Konkret vereinbart wurde aber praktisch nichts.

Ein Zeitrahmen für die Antworten des Weltverbandschefs, vor allem wie er an allen FIFA-Institutionen vorbei einen hochumstrittenen Finanzplan rund um die WM konzipieren konnte, wurde nicht gegeben. Bis zum 18. November müssen die Europäer einen möglichen Gegenkandidaten für die kommende FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 aufstellen, der Infantino herausfordern soll. “Wie gesagt, das Vertrauen in ihn ist verloren. Es müssen jetzt neue Leute neue Ideen entwickeln, und wie wir diese Organisation, die ja extrem wichtig ist für den Weltfußball, auf seriöse Beine stellen”, sagte Neuendorf.

Infantino demonstriert Einheit

Die Realität außerhalb Europas ist, dass Infantino von der Mehrheit unterstützt wird, wie das mauretanische Council-Mitglied Ahmed Yahya festhielt. Kurz vor Sitzungsbeginn hatte Infantino per Instagram seinen Post mit einem Herz und einem Globus garniert. Die Message: Die Fußball-Welt steht zusammen, alle Würdenträger kommen zu mir nach Zürich. Die Bilder vom Vorabend in einem Nobelhotel sollten dies zusätzlich dokumentieren. Einen “wunderbaren Abend” habe man verbracht, schrieb Infantino.

Ein paar symbolische Entscheidungen konnten dem Schweizer abgerungen werden. Beschlossen wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von FIFA-Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa. Sie soll die Governance-Struktur des Weltverbandes neu ordnen, damit künftig Alleingänge bei wichtigen Projekten wie von Infantino bei den WM-Investorenplänen nicht mehr möglich sind.

Friedenspreis auf Prüfstand

Bis zur nächsten Council-Sitzung am 16. Dezember in Doha soll außerdem eine Entscheidung über die Zukunft des FIFA-Friedenspreises fallen, den Infantino im Vorjahr auf groteske Weise an US-Präsident Donald Trump verliehen hatte. Auf den Weg gebracht wurde die Erhöhung der jährlichen Zuschüsse an alle 211 nationalen Fußball-Verbände von rund 10 auf etwa 25 Millionen Dollar – ein Vorschlag, den Infantino kurz vor der Sitzung eingebracht hatte.

Verworfen wurde laut Hewitt der Vorschlag einer Neuregelung bei der Bestrafung von Roten Karten. Nach dem WM-Wirbel um die Aufhebung der Sperre für US-Spieler Folarin Balogun – angeblich auf Intervention von Trump und Infantino – sollte es künftig keine Einspruchsmöglichkeiten gegen die Mindeststrafe von einem Spiel mehr geben. Der FIFA-Boss hatte bestritten, an der Entscheidung beteiligt gewesen zu sein.

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