Von: Ivd
Grindelwald/Hammarstrand – Die Zukunftswerkstatt Naturbahn & Breitensport arbeitet intensiv an der Entwicklung einer neuen Naturbahnrodel und neuen Rennformaten. In Grindelwald in der Schweiz und in Hammarstrand in Schweden fanden im März die ersten Testrennen statt.
Berchtesgaden (FIL/27.03.2025) 33 Athleten (11 Damen/22 Herren) aus acht Nationen waren zu den Tests eingeladen. Am Start waren Sportler aus dem FIL Weltcup im Naturbahnrodeln, Weltklasse Athleten der ISSU aus dem Bereich Sportrodeln sowie ambitionierte Breitensportler aus dem jeweiligen Veranstaltungsland, unter anderem Weltmeisterin Evelin Lanthaler (ITA), Vize-Weltmeisterin Riccarda Ruez (AUT) und Silvia Runggatscher (Italienmeisterin Sportrodeln) bei den Damen, sowie Rodellegende Patrick Pigneter (ITA) und Vize-Weltmeister Daniel Gruber (ITA) bei den Herren.
Getestet wurden die neue „Alpin Rodel“ (Alpine Luge) und neue Rennformate, die Tests fanden auf einer normalen, vereisten Rodelbahn und auf einer herkömmlichen Skipiste mit Snowboardtoren statt. Obwohl zunächst die Skepsis überwog, waren die internationalen Testtage ein voller Erfolg, sagt Patrick Pigneter: „Wir Athleten kennen ja nur unsere Rodel, die sind wir gewohnt. Aber wir müssen offen sein für etwas Neues, das ist die Herausforderung“. Ziel ist es, das Naturbahnrodeln für mehr Nationen zugänglich zu machen. Daher fährt sich die „Alpine Luge“ weniger aggressiv, auch wenn der Unterschied zum bisherigen Sportgerät gering ist. „Der Einsatzbereich der neuen Rodel ist einfach größer, von einer Eisbahn bis hin zum Frühjahrsschnee auf einer Skipiste. Ich würde sagen, die alte Rodel ist wie ein Rennrad, die neue Rodel wie ein Gravel-Bike. Deswegen wird für Interessierte der Zugang zum Rodelsport einfacher, das ist unser Ziel“.
Klassische Rodelbahnen werden bleiben
Vereiste Rodelbahnen mit Holzbanden für Weltcuprennen gibt es eigentlich nur noch in Südtirol und in Österreich. Die Präparierung und Instandhaltung der Rennbahnen ist arbeitsintensiv, viele potentielle Veranstalter schreckt das ab. Daher sind neue Rennformate angedacht, unter anderem auf vereisten Rodelbahnen aber ohne Holzbanden, sowie Wettkämpfe auf normalen Skipisten. Das würde den Aufwand für Vereine und Veranstalter vor Ort verringern, außerdem gäbe es mehr Orte, die Rennen organisieren und durchführen möchten. Patrick Pigneter: „Wir waren in Grindelwald in einem Rodelpark am Fuße der Eiger-Nordwand, dieser Park lebt vom Touristenrodeln. Mit wenigen Handgriffen war die Rodelbahn für uns fertig. In Schweden wollten wir die ‚Alpin Rodel‘ auf einer vereisten Skipiste testen, so wie sie im Skiweltcup üblich ist. Allerdings lag die Temperatur bei plus zehn Grad – jetzt wissen wir, dass das neue Material auch bei Matsch funktioniert“. Den Kurs auf der Skipiste geben Tore vor, wie sie im Skicross oder bei Snowboardrennen üblich sind. Auch Parallelrennen können so ohne großen Aufwand durchgeführt werden. Fest steht aber auch, dass die „klassischen“ Rodelrennen auf den Eisbahnen erhalten bleiben. „Das war ein Test, es heißt nicht, dass es in Zukunft so sein wird. Ich glaube, die Entwicklungsarbeit macht allen Spaß, noch sind wir aber nicht am Ziel. Im Rodelsport steckt viel Potential. Wir wollen den Blick nach vorne richten, damit alle profitieren“.
Auch mit der neuen Rodel und auf Skipisten werden die besten Sportler vorne sein, glaubt Rekordsieger Pigneter, der seine Karriere mit dem Weltcupfinale im März beendet hat. „So haben aber auch andere Nationen die Möglichkeit, sich besser auf die Rennen vorzubereiten, da kann es sein, dass die Ergebnisse durchgemischt werden“. Ein Blick auf die Ergebnislisten untermauert diese Einschätzung: Allein bei den Testrennen auf der Bussalp gab es mit Lisa Walch (GER), Evelin Lanthaler (ITA) und Daniela Mittermair (ITA) drei verschiedene Siegerinnen. Bei den Herren haben sich u.a. Stefan Federer (SUI), Christian Bauer (SUI) und Ziga Kralj (SLO) in die Siegerlisten eingetragen.
Wann die „Alpin Rodel“ die aktuelle Rennrodel ablösen wird, steht noch in den Sternen. „Der Entwicklungsprozess ist erst gestartet und noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Pigneter, der auch in Zukunft weiter im Testteam arbeiten wird.
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