Happy End für ÖSV-Team nach Japan-Protest

ÖSV-Kombinierer jubeln mit Verspätung über WM-Mixed-Bronze

Freitag, 28. Februar 2025 | 18:46 Uhr

Von: apa

Happy End nach einer Stunde: Das Mixed-Team der Kombinierer hat nach langem Zittern mit Bronze die erste österreichische Medaille bei der nordischen Ski-WM in Trondheim gewonnen. Das Quartett Stefan Rettenegger, Claudia Purker, Lisa Hirner und Johannes Lamparter durfte am Freitag mit einstündiger Verspätung über Bronze jubeln. Ein hartes Manöver von Lamparter im Zielsprint gegen Ryota Yamamoto hatte für einen Protest Japans wegen Behinderung gesorgt.

Gold ging überlegen an die favorisierten Norweger vor Deutschland. Das ÖSV-Team hatte nach dem Springen den vierten Platz belegt, im Langlauf setzte sich Lamparter im Zielsprint letztlich 0,2 Sekunden vor Yamamoto durch. Wegen eines späten Richtungswechsels von Lamparter protestierten die Japaner, es folgten lange Diskussionen. ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher, Cheftrainer Christoph Bieler und auch Lamparter sowie Yamamoto mussten bei der Jury vorsprechen und die Aktion argumentieren.

Ärger beim ÖSV

“Am Ende war für die Jury klar, dass es keine große Behinderung war”, erklärte FIS-Renndirektor Lasse Ottesen die Entscheidung im ORF. Es sei nicht einfach gewesen, “wenn man einen Protest bekommt, muss man es richtig machen”, ergänzte der Norweger. “Leider hat es lange gedauert, aber am Schluss haben wir, glaube ich, richtig entschieden.” ÖSV-Geschäftsführer Christian Scherer hatte Verständnis für den Protest der Japaner und kritisierte das Vorgehen der Offiziellen: “Natürlich hat es zu lange gedauert”, sagte Scherer, der sich zudem über “juryfremde Personen” im Raum ärgerte.

Mehr als eine Stunde nach Rennende war das Ergebnis erst offiziell, weshalb die Siegerehrung im Granåsen Skisenter vor leeren Rängen stattfand. Auch die obligatorische Pressekonferenz nach der Medaillenentscheidung wurde abgesagt, die Medal Ceremony im Stadtzentrum Trondheims wurde auf Samstagabend verschoben. Die Freude beim ÖSV-Quartett war trotzdem groß, auch wenn zwischenzeitliche Zweifel die Euphorie über den Erfolg auf der Loipe gedämpft hatten. “Direkt beim Zieleinlauf war es schon ein seltsames Gefühl”, sagte Bieler, der im Regen stehend die chaotischen Szenen erklärte. “Es war nie so, dass er jemanden behindern wollte. Wir haben sie zum Schluss gebeten, dass sie die Emotion im Sport auch leben lassen. Jetzt nehmen wir das Positive mit und das ist auch wunderschön.”

Lamparter hatte einen Plan

Lamparter hatte seinen späten Richtungswechsel im Zielsprint kurz zuvor geplant. “Ich wollte die Entscheidung davor, dann gab es einen Plan B. Es ist eine Formel-1-Regel: der vorne ist, darf sich die Spur aussuchen. Ich weiß, dass er (Yamamoto, Anm.) einer der Schnellsten auf der Zielgerade ist. Deswegen habe ich mir einen anderen Plan überlegt und der ist aufgegangen”, erklärte der Tiroler nach dem Gewinn seiner siebenten WM-Medaille. Nach dem Springen hätte sich das niemand erwartet, “deswegen bin ich sehr happy”.

Rettenegger sprach von einem Rennunfall. “Bei der Formel 1 sagen sie racing incident. Sicher war ein bisserl Ellbogen dabei, aber bisserl Ellbogen ist im Sport auch erlaubt”, sagte der Salzburger, der sich wie schon vor zwei Jahren in Planica gemeinsam mit Lamparter und Hirner über Mixed-Bronze freuen durfte. “Es ist echt megacool, auch wenn es recht lange gedauert hat.” Für Hirner sei es “unglaublich nervenaufreibend” gewesen. “Happy End, das passt gut”, sagte sie und lachte.

Aufholjagd des ÖSV-Teams

Rettenegger war mit einem Rückstand von 17 Sekunden auf das drittplatzierte Deutschland in die Loipe gegangen, Japan hatte einen Vorsprung von 31 Sekunden. Während der Salzburger auf den fünf Kilometern die Lücke auf die Medaillenränge fast schloss, kam bei Purker auch aufgrund eines Sturzes unmittelbar vor dem Wechsel und Hirner auf den jeweiligen 2,5 km-Runden wieder Zeit dazu. Allerdings stürzte auch die japanische Massenstart-Weltmeisterin Yuna Kasai. Lamparter musste fast 27 Sekunden aufholen und schaffte das auch. Yamamoto ließ sich im Finale aber nicht abhängen, weshalb es zu einer Entscheidung im Zielsprint kam – mit dem besseren Ende für Rot-Weiß-Rot.

Die norwegische Kombinierer-Legende Jarl Magnus Riiber jubelte unterdessen ohne Nervenkitzel über seine neunte WM-Goldene. Als Belohnung erhielt das siegreiche Quartett nach dem Rennen auch eine kurze Audienz bei Königin Sonja auf der Ehrentribüne.

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