Sechste Ausgabe der Veranstaltungsreihe

“Anders Reisen”

Freitag, 08. September 2017 | 11:24 Uhr

Von: ao

Bozen – In diesem Herbst gibt es bereits die sechste Ausgabe der  Veranstaltungsreihe, ”Un altro viaggio/ Anders Reisen”, organisiert von der Genossenschaft “Le formiche/ Die Ameisen”: Vier Abende, um die Länder des Südens zu entdecken, vier Abende, in denen Erzählungen, Filme und  Bücher einen anderen Blickwinkel auf die Reiseländer entwerfen. Die Reisen führen auf die Philippinen, nach Guatemala, in den Iran und nach Syrien.

Die Mitreisenden lernen  Länder kennen, die oft Beute von Unterdrückung und Raub sind, aber vor allem sehen die Reisenden die kleinen und doch spürbar kräftigen Gegenentwürfe in wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereichen, die aus der Überzeugung gewachsen sind, dass Gerechtigkeit und Solidarität, Menschenrechte und Allgemeinwohl die Grundlagen des Zusammenlebens sein sollen.

Unsere Reiseführer kennen die Länder aus eigener Erfahrung und Anschauung nicht nur als Reisende. In kleineren und größeren lokalen, wirtschaftlichen Projekten, bei der Unterstützung kultureller Entwicklung und in der Beihilfe zur Durchsetzung von Menschenrechten lernten sie Land und Leute kennen.

Alle Veranstaltungen finden im Teatro Cristallo um 20.30 Uhr bei freiem Eintritt statt.

 

Der erste Abend, am 22. September 2017,  führt auf die Philippinen und trägt den Titel “ Der Mut zum Widerstand”

Das Land ist formal eine Mehrparteiendemokratie. Jedoch werden seit 2001 systematisch Menschenrechte verletzt, Militär und Polizei gehen mit Gewalt gegen Menschrechtsaktivisten,  Gewerkschafter/innen, Journalistinnen, Umweltaktivisten, Anführer von Bauernorganisationen vor, die für eine Agrarreform arbeiten, die die gegenwärtigen feudalistischen Grundbesitzstrukturen auflöst. Viele werden getötet, viele “verschwinden”.

Die Gäste des Abends sind:

Ruth Salditos, auch sie des Widerstandes angeklagt; Gründungsmitglied und gegenwärtig Präsidentin der PFTC, einer Organisation von zehntausend armen Bauern und Arbeitern auf der Insel Panay. Ihr Hauptprodukt ist der Rohrzucker.

Aldo Pavan, Journalist, Fotograf und freier Videomaker, Regisseur. Seit dreißig Jahren schreibt er geografische Reportagen, er hat Hunderte von Völkern auf allen Kontinenten besucht, schrieb Bücher und Berichte in Zeitschriften und Magazinen. Er wird den Film “Zucchero Dolce Amaro” vorstellen, den er zusammen mit seinem Sohn Marco gedreht hat.

 

Der zweite Abend, am 13. Oktober 2017, führt nach Guatemala und steht unter dem Titel “Ein Land versucht sich zu befreien”

Eine  Zeitlang stand Guatemala im Rampenlich der Welt, als Rigoberta Menchu der Nobelpreis zuerkannt wurde, aber darüber, was nachher geschah, weiß die Weltöffentlichkeit wenig. Ein Sturm wütet über dem Land: mit der wirtschaftlichen Krise verband sich die klimatische mit verheerenden Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Gäste sind:

Flaviano Bianchini,  Menschenrechts – und Umweltaktivist, Gründer und Direktor des Source International, eine Organisation, die sich  der Verletzung von Menschenrechten annimmt und der gesundheitlichen Folgen der Ausbeutung von Bodenschätzen.

Federico Palmas von GVG, einer unabhängigen NGO, die 1971 in Bologna gegründet wurde und in der Internationalen Zusammenarbeit tätig ist. In Guatemala arbeitet die GVC an Sensibilisierungsprojekten, an der  Ausarbeitung von Landschaftsplänen, die Risiken miteinbeziehen und Anpassungen an klimatischen Veränderungen.

 

Der dritte Abend, am 10. November 2017, führt in den Iran und steht unter dem Titel “Vom säkularen Imperium zum Konfessionsstaat”

Für alle, die seit den 80er Jahren  geboren sind, war der Iran ein “ Gottesstaat” von schiitischen Religionsführern autoritär geführt, in Bildern von alten bärtigen Männern mit schwarzen und weißen Turbanen und verschleierten Frauen gegenwärtig. Die Geschichte des Irans aber führt in das alte Persien, das 1935 zu Ende ging.

Gäste des Abends sind:

Giuseppe Morotti – lebte zehn Jahre im Iran in enger Freundschaft mit Moslems und Christen; als amerikanischer Spion während der islamischen Revolution in Haft; während des Irak-Iran-Krieges  war er Zeuge der westlichen Interessen am Krieg, im Besonderen der italienischen Interessen  am Einsatz der von ihnen gebauten Streubomben ( Beretta-Val Trompia)

Mohrsen Farsad – iranischer Arzt, der in Bozen lebt und arbeitet; arbeitet mit der Alexander Langer Stiftung im Bereichen, die Flüchtlinge aus dem Iran betreffen und Kontakte mit dem Iran.

 

Am vierten Abend, am 15. Dezember 2017, steht Syrien im Mittelpunkt:

“Ein ferner Frieden, ein Krieg, dessen Wurzeln in längst vergangenen Zeiten liegen”

Auf dem iranischen Schachbrett bewegen sich viele Akteure: Assad, die syrischen Kurden, ISIS, die Türkei, die Aufständischen, die UNO, Russland, USA, in unterschiedlichen Allianzen.

Es ist nicht leicht zu erkennen, was wirklich passiert, zu unterschiedlich, ja widersprüchlich sind die Berichte der verschiedenen Akteure.

Es referieren:

Franco De Giorgi  Arzt in Bozen, Koordinator der Tätigkeiten des GVC  in den syrischen Flüchtlingslagern im Libanon

Massimiliano Trentin; forscht an der Universität von Bologna, Fakultät für Sozialwissenschaften und Politische Bildung über Geschichte und Institutionen des Mittleren Orients

Bezirk: Bozen