Fluchthilfe nach Zweiten Weltkrieg im Fokus

„Blutbrot“: Südtirolerin mit Literaturpreis 2024 ausgezeichnet

Mittwoch, 26. März 2025 | 10:11 Uhr

Von: mk

Innsbruck/Bozen – Seit 2017 wird der jährlich der von der H. und K. Zuegg-Stiftung geförderte Literaturpreis der Universität Innsbruck verliehen. Den Hauptpreis erhielt in diesem Jahr die gebürtige Südtirolerin Miriam Unterthiner für ihr Werk „Blutbrot“. Emil Kaschka, Siljarosa Schletterer und Veronika Zorn wurden mit Anerkennungspreisen ausgezeichnet. Die Verleihung fand am 25. März im Historischen Lesesaal statt.

Benannt nach dem italienischen Unternehmer Karl Zuegg und dessen Tochter Hiltraud Märk-Zuegg, Germanistin und Frau von Altrektor Tilmann Märk, verleiht die H. und K. Zuegg-Stiftung jedes Jahr den Literaturpreis der Universität Innsbruck. Die Auszeichnung wird abwechselnd an junge Autoren und Literaturwissenschaftler verliehen.

„Die Zuegg-Stiftung der Familie Märk erlaubt die Auszeichnung von hervorragenden Leistungen in der Literatur bzw. der Literaturwissenschaft in Verbindung mit der Universität Innsbruck. Diese Preise sind aus Sicht der Stiftung als Förderung und Starthilfe für die weitere Karriere gedacht“, so Altrektor Tilmann Märk.

In diesem Jahr richtete sich die Ausschreibung an junge Autorinnen und Autoren aus Tirol, Südtirol und Vorarlberg, die zum Zeitpunkt der Einreichung das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Zum ersten Mal, seit der Preis ausgeschrieben wird, durften nicht nur unveröffentlichte Werke in Prosa, sondern auch in den Kategorien Lyrik und Drama eingereicht werden.

„Diese Neuerung und Erweiterung führte zu einer überwältigenden Resonanz. Mehr als 50 Werke wurden für den Literaturpreis 2024 eingesendet. Die Auswahl ist der Jury daher sehr schwergefallen“, schildert Vizerektor Gregor Weihs. Für den diesjährigen Literaturpreis wurden ein Hauptpreis sowie drei Anerkennungspreise verliehen, die Auswahl fiel auf jeweils zwei Werke aus den Kategorien Drama und Lyrik.

Hauptpreis für Theatertext „Blutbrot“

Die gebürtige Südtirolerin Miriam Unterthiner wurde für ihr Drama „Blutbrot“ ausgezeichnet. Der Theatertext beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und 1950 Nationalsozialisten, unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass von Österreich nach Italien gebracht – Südtirolerinnen und Südtiroler teilten ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung. In Blutbrot leistet die Kollektivfigur DasDorf diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. DasDorf beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialisten die Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich auch im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und DasDorf mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert.

Miriam Unterthiner studierte Germanistik und Philosophie an der Universität Innsbruck, sowie Deutsche Philologie und Sprachkunst in Wien. 2024 erhielt sie das Dramatiker:innen-Stipendium der österreichischen Bundesregierung. Am 24. Mai 2025 wird ihr Werk „Vaterzunge“ am Tiroler Landestheater uraufgeführt. „Blutbrot“ ist im Februar dieses Jahres im iup-Verlag erschienen.

Anerkennungspreise

Emil Kaschka, aufgewachsen in Pfaffenhofen, studierte Germanistik in Innsbruck sowie Buch und Dramaturgie an der Filmakademie Wien. Hauptschauplatz seines ausgezeichneten Theaterstücks „Große Tage“ ist die Umkleidekabine eines Tiroler Amateurfußballvereins. Eine Frau als Trainerin? Für die Spieler kommt das nicht in Frage. „Große Tage“ ist ein Stück über Männlichkeit, Gruppendynamiken, Freundschaften und Liebe unter Männern – und eine starke Frau. Es geht um Sexismus, Rassismus und Homophobie – eine soziologische Studie verkleidet als Dorfstück.

Siljarosa Schletterer lebt und arbeitet in Tirol als freischaffende Lyrikerin, Lyrikvermittlerin und Schreibcoach. Der literarische Anerkennungspreis wurde ihr für den Lyrikband “einschreibungen – eine anatomie” verliehen. Das Werk ist ein schreibendes Annähern an Fragestellungen rund um Sexualität, Epigenetik und Körperwahrnehmung: Wie formt Sprache unsere Bilder, unsere Wahrnehmung von Körpern und Sexualität? Welche Worte werden verwendet? Welche in den verschiedenen (Umgangs-)Sprachen und Dialekten, um eine vermeintliche neutrale Anatomie zu beschreiben? Kann Lyrik einen weiteren Zugang zu unseren Körpern schaffen? Es ist ein lyrischer Brückenbau zwischen Anatomie, Psychologie, Sprachwissenschaft und Poetologie.

Veronika Zorn studierte Politikwissenschaften, Komparatistik und Sprachkunst in Innsbruck und in Wien. Ihr Werk ÜBERSCHREIBEN ist ein bildbeschreibendes Lyrikprojekt: Zorn geht der Frage nach, was die Hand mit dem Denken macht, wenn sie schreibt. Was aus der Bewegung des Schreibens selbst kommt. Ein A5-Blatt, ein Stift und die Hand, die so lange auf demselben Blatt schreibt, bis die Worte verklungen sind, das Blatt mehrfach überschrieben ist. Der Text verschwindet, wird zum Versteck, wird zum Bild. Neue Texte entstehen.

Bezirk: Bozen

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