Schauspieler und Kabarettist: Es geht mir besser als vor fünf Jahren

Mann ohne Masterplan: Hugo Egon Balder wird 75

Samstag, 22. März 2025 | 11:05 Uhr

Von: APA/dpa

Er steht wie kaum ein anderer für anarchische Fernsehunterhaltung: Der deutsche Moderator, Schauspieler und Kabarettist Hugo Egon Balder wird am Samstag (22. März) 75 Jahre alt. Als er die skurrile Erotik-Spielshow “Tutti Frutti” (1990-1992) moderierte, galt er als “Herr der Möpse”. Doch seiner Karriere tat die Sendung keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Heute ist er aus der deutschen TV-Landschaft nicht wegzudenken.

Es gehe ihm aktuell eigentlich besser als noch vor fünf Jahren zu seinem 70er, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Im August hat Balder das Rauchen aufgegeben. Auslöser sei gewesen, dass seine Frau ihn gefragt habe, ob er nicht mal mit dem Husten aufhören könne. Dann sei Schluss gewesen mit dem Qualmen – nach 62 Jahren. “Von einer Sekunde auf die andere”, sagt er.

Gut im Dinge abhaken

Balder ist generell ganz gut darin, Dinge abzuhaken. Eines seiner Lieblingswörter ist “wurscht”, denn “wurscht” ist ihm sehr viel. Geht eine Tür zu, öffnet sich eine andere. Auch deshalb kann man einige Zeit damit zubringen, die Verästelungen seiner Karriere nachzuvollziehen. Geboren wurde er in West-Berlin (als Egon Hugo Balder). Er glaubt, seinen Humor womöglich vom Vater Egon Friedrich geerbt zu haben, der Textilkaufmann war. Mutter Gerda war Jüdin und hatte das KZ Theresienstadt überlebt.

Balder wurde Schauspieler, Musiker, Mitgründer einer Rockband, Moderator, Kabarettist, Produzent und Teilhaber einer Bar in Hamburg, seinem heutigen Lebensmittelpunkt nach vielen Jahren in Köln. Zudem sang er einen Schlager über ein Strumpfband (“Elvira, hol’ dein Strumpfband ab, ich schlaf’ nicht mehr mit dir. Und nimm auch deine Mutter mit, was soll die denn bei mir?”).

“Sie magersüchtiges Frettchen”

“Es gab nie einen Masterplan”, sagt Balder dazu. “Als ich ganz jung war, wollte ich unbedingt Pianist werden, weil ich dachte, ich sei der beste Musiker aller Zeiten. Dann war ich am Schiller-Theater und wollte der größte Charakterschauspieler aller Zeiten werden.” Bei Radio Luxemburg, bei dem er von 1979 an moderierte, lernte er, kommerziell zu arbeiten und Leute zu unterhalten. “Dabei ist es dann geblieben und an sich will ich das bis heute”, sagt er.

1988 startete bei RTL “Alles Nichts Oder?!”, ein großer Quatsch mit Dauerzickereien zwischen Balder und Hella von Sinnen (66) (“Sie magersüchtiges Frettchen”, “Sie fette Schnecke”), bei dem Torten flogen. Es folgten etliche andere Shows.

Balders beste Idee war wohl “Genial daneben”, das 2003 bei Sat.1 begann. Komiker rätseln darin über kuriose Fragen – und trotzen damit vielen Veränderungen im TV-Markt. Erst 2023 feierte die Show wieder ein Comeback, nun bei RTLzwei.

Dass er mal eine Show abgesagt und sich im Nachhinein geärgert hätte? Damit kann Balder nicht dienen. Eher sei es andersherum gewesen: Er habe sich zu Shows überreden lassen, von denen er geahnt habe, dass sie unter keinem guten Stern stehen. Unter anderem präsentierte er einmal eine Sendung, in der Prominente in einer Art Realvariante das Spiel “Schiffe versenken” durchexerzierten. “Das Boot von Guido Cantz ist glaub’ ich bis zum Schluss nicht untergegangen”, sagt Balder. “Es war das pure Chaos.”

Früher war mehr Hotelbar

Klagen, dass früher ja alles besser war, wird man von Balder nicht hören. Er sieht die Sache pragmatisch: Is’ halt so. Etwa, dass heute in der Unterhaltungsbranche ein doch eher puritanischer Ansatz gilt. “Heute ist es so, dass man sich in 90 Prozent der Fälle nach einer Produktion recht schnell trennt. Fast alle gehen nach Hause”, erzählt er. “Früher war das anders. Da saßen wir lange an einer Hotelbar und da floss auch einiges.” Ob das nun gut oder schlecht sei? Antwort: “Das weiß ich nicht. Es ist halt so.”

Was er auch nicht so richtig weiß ist, ob “Genial daneben” wirklich seine letzte Fernsehshow sein wird. “Ich denke mir natürlich: Was soll mit 75 Jahren noch Neues kommen?”, sagt er dazu. “Aber auf der anderen Seite weiß man es ja nie.”

Herumsitzen ist jedenfalls nichts für ihn. Aktuell ist Balder daher mit einem eigenen Bühnenprogramm unterwegs. Es trägt den Titel “Erzählt es bloß nicht weiter!!”. Es enthält viel Biografisches. Unter anderem erklärt er auch die Spielregeln von “Tutti Frutti”, die einst niemand verstand. Irgendwie ging es um “Länderpunkte”. “Ich glaube, nachdem ich das erklärt habe, versteht es auch keiner”, sagt Balder. “Aber ist ja wurscht.”

(S E R V I C E – www.hugo-egon-balder.de)

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