Swappen statt shoppen

Große Kleidertauschparty auf dem Uniplatz

Freitag, 27. April 2018 | 17:26 Uhr

Von: luk

 

Bozen – Tonnenweise Kleidung landet jedes Jahr in Südtirols Mülleimern und Altcontainern. Oft sind es neue Kleidungsstücke, die gekauft werden und dann doch unbenutzt im Kleiderschrank liegen bleiben – oder nach kurzer Zeit nicht mehr interessant sind. Dass dieser übermäßige Kleiderkonsum auch positiv genutzt werden kann, stand heute im Mittelpunkt der Aktion „Tausch dich aus – Nimm die Fäden in die Hand“ auf dem Universitätsplatz in Bozen. Anlässlich der internationalen Fashion Revolution Days zeigten die oew – Organisation für eine Solidarische Welt und die Freie Universität Bozen eine Alternative zum herkömmlichen Shoppen auf: Sie organisierten gemeinsam mit Designstudent*innen eine große öffentliche Kleidertauschparty.

Auf dem Universitätsplatz in Bozen ging es heute bunt und geschäftig zu: Zehn große Kleiderstangen wurden mitten auf dem Universitätsplatz aufgestellt und mit gebrauchten Kleiderstücken bestückt. Dann ging das große Tauschen los. Jede*r Passant*in konnte sich ein T-Shirt, eine Hose, eine Jacke oder eine Tasche aussuchen, selbst etwas mitbringen oder es gegen ein anderes Kleidungsstück oder Accessoire tauschen. Kurz: shoppen ohne Geld auszugeben.

Die Initiatorin der Aktion, oew-Mitarbeiterin Verena Gschnell, erklärt: „Jede*r von uns kauft im Jahr zig Kleidungsstücke und die meisten davon werden unter menschenunwürdigen Bedingungen im Globalen Süden hergestellt. Da es in Südtirol leider nur wenige Alternativen zum herkömmlichen Shoppen gibt, wie Secondhandshops oder Läden, die faire Mode anbieten, ist das Tauschen die sozial und ökologisch nachhaltigste Art, Ressourcen zu wertschätzen und zu nutzen.“

Bestehende Ressourcen verantwortungsvoll nutzen lautet auch die Devise, für die Kuno Prey, Professor für Design und Künste an der Universität, plädiert: „Unser Ziel als Universität ist es, unseren Student*innen die komplexen Zusammenhänge des Wirtschaftssystems näherzuführen. Die Katastrophe von Rana Plaza und die damit eng verbundene Billig-Mode sollte auch uns als Designer*innen zu einem radikalen Umdenken bewegen um verantwortungsvoll mit den Ressourcen der Umwelt umzugehen. Durch den Kleidertausch wird das versinnbildlicht.“

Theresa Lena Angl und Benjamin Maier konzipierten die Grafik der Aktion. Als Student*innen der Designfakultät in Bozen ist für sie als angehende Designer*innen Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema: „Als angehende Designer*innen ist es für uns sehr interessant uns lokal engagieren zu können. Mit der Aktion geben wir gebrauchten Kleidern wieder einen Wert, die ansonsten auf dem Müll oder im Altcontainer landen würden.“

Matthäus Kircher, der Geschäftsführer der oew-Organisation für Eine solidarische Welt, hebt den Wert lokaler Aktionen hervor. Er bekräftigt: „Die Verhältnisse in der Textilbranche sind nach wie vor prekär und alles andere als zukunftsfähig. Aber jede*r Konsument*in kann durch das Einkaufsverhalten und den Umgang mit Kleidung auf lokaler und globaler Ebene umfassende Veränderung bewirken.“

Dass eine Kleidertauschparty aber nicht nur eine ernste Angelegenheit ist, zeigte heute das geschäftige Treiben auf dem Universitätsplatz, bei dem vor allem eines im Vordergrund stand: der Spaß am Tauschen.

Bezirk: Bozen